«Pegida»-Bewegung: Mehr Teilnehmer denn je bei Demonstration

Das islamfeindliche «Pegida»-Bündnis verbucht in Dresden trotz wachsender Kritik weiter Zulauf.

«Pegida»-Bewegung: Mehr Teilnehmer denn je bei Demonstration
Hendrik Schmidt «Pegida»-Bewegung: Mehr Teilnehmer denn je bei Demonstration

Bei ihrer zehnten Demonstration in Folge mobilisierten die «Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» (Pegida) nach Schätzungen der Polizei rund 17 500 Menschen - 2500 mehr als in der vergangenen Woche und damit mehr denn je. Parallel dazu zogen 4500 Gegendemonstranten durch die Stadt, rund 400 Menschen versammelten sich zu einem ökumenischen Friedensgebet in der Kreuzkirche. Auch in anderen Städten kamen Tausende zu Kundgebungen gegen Rassismus und Ausgrenzung.

Am kommenden Montag will «Pegida» auf eine Kundgebung in Dresden verzichten. Am Montagabend hatte sich die Stimmung im Vergleich zu den Vorwochen allerdings deutlich verschärft. Angekündigt war ein gemeinsames Weihnachtssingen vor der Semperoper. Tatsächlich wurden Verunglimpfungen von Politikern und Beschimpfungen von Medienvertretern dort am Montagabend ebenso begeistert bejubelt wie ausländerfeindliche Vorurteile.

Kern der Proteste sind eine vermeintliche «Überfremdung» Deutschlands und die Asylpolitik. Experten rechnen Teile der Bewegung dem rechtsextremen Spektrum zu. Genährt wird die «Pegida», die auch Menschen aus dem bürgerlichen Lager auf die Straße lockt, nach Ansicht von Sozialforschern auch von einer diffusen Angst vor sozialem Abstieg und die Wut darüber, dass die Politik ihre Sorgen angeblich nicht ernst nimmt.

Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte, die Demonstranten sollten nicht «pauschal als rechter Mob» abgetan werden. «Dass Menschen bei uns auf die Straße gehen und sich zu Themen äußern, die sie beschäftigen, ist nicht nur zulässig, sondern in einer Demokratie normal», sagte der CDU-Politiker der Zeitung «Die Welt» (Dienstag). Er ermahnte die Teilnehmer aber, genau hinzuschauen, ob sie mit den Parolen der Veranstalter in Verbindung gebracht werden wollten.

Der Dresdner Politikwissenschafter Werner J. Patzelt empfiehlt Politik und Medien, das aufzugreifen, was hinter der Fassade steckt: «Was als Fremdenfeindlichkeit daherkommt, entpuppt sich so als sozialer Konflikt.» Besonders brisant sei, dass dieser sich mit einem kulturellen Konflikt verbindet, seit es eine nennenswerte Zuwanderung aus dem islamischen Kulturkreis gibt.

In westdeutschen Städten blieb der Zulauf zu den islamkritischen Demonstrationen mit einigen hundert Teilnehmern vergleichsweise gering. Wie in Dresden setzten allerdings auch in anderen Städten Tausende Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Fanatismus. Vor der Münchner Oper versammelten sich nach Angaben der Veranstalter am Montagabend an die 25 000 Menschen, in Kassel stellte eine Gegendemonstration mit 2000 Teilnehmern die Kundgebung einer Gruppe «Kassel gegen die Islamisierung des Abendlandes (Kagida)» in den Schatten. In Bonn waren etwa 900 Polizisten im Einsatz, um die rund 200 Teilnehmer einer islam-kritischen Kundgebung von gut 2500 Gegendemonstranten zu trennen.