Pfund und Euro unter Druck - Folgen für Verbraucher

Die Furcht vor den Folgen des Brexit-Votums ist zurück: An den Devisenmärkten gerät das Pfund massiv unter Druck. Am Mittwoch kostete die Währung des Vereinigten Königreichs erstmals seit 1985 weniger als 1,30 US-Dollar. Auch der Euro verlor gegenüber dem Dollar, allerdings weniger stark.

Pfund und Euro unter Druck - Folgen für Verbraucher
epa Andy Rain Pfund und Euro unter Druck - Folgen für Verbraucher

Warum steht das Pfund unter Druck?

Die Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU sorgt für große Unsicherheit bei Anlegern, aber auch Unternehmen. Das hat Folgen für die Konjunktur: «Viele Geschäftspläne werden nicht nur durch das Abstimmungsergebnis, sondern auch durch das Fehlen einer handlungsfähigen Regierung in Frage gestellt. Daher dürften etliche Unternehmen ihre Investitionsvorhaben überdenken», erläutert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Der britische Notenbankchef Mark Carney warnt vor Gefahren für die Stabilität des Finanzsektors und vor einer erheblichen Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Großbritannien. Um die Konjunktur zu stabilisieren, dürfte die Bank of England Beobachtern zufolge die Zinsen senken. Dadurch wird die Währung für Investoren unattraktiver, sie schichten um, zum Beispiel in Dollar. «Schwaches Wachstum, rückläufige Zinsen und eine politische Unsicherheit, die sich zumindest für Großbritannien nicht so schnell wieder auflösen wird, sprechen für eine weitere Pfund-Abwertung», erklären Experten der Helaba.

Warum trifft es auch den Euro?

Wegen der engen wirtschaftlichen Verflechtung dürfte der Euroraum und damit auch Deutschland die Folgen der Unsicherheit zu spüren bekommen. Volkswirte senkten zuletzt ihre Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum. «Für die deutsche Wirtschaft ist das britische «Leave» ein erheblicher Schlag, denn Großbritannien ist einer der wichtigsten Handelspartner», erläutert die DZ-Bank. Das Ifo-Institut rechnet allerdings nur mit einem leichten Dämpfer für Europas größte Volkswirtschaft.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Urlauber bekommen in Großbritannien aktuell mehr für ihren Euro. Trips auf die Insel werden tendenziell also billiger. Für Verbraucher, die ein Fremdwährungskonto haben, ist der Schwächeanfall des Pfundes dagegen eine schlechte Nachricht. Sie würden aktuell weniger für ihr Geld bekommen, wenn sie jetzt in die Gemeinschaftswährung umtauschen. «Das ist aber nur eine Momentaufnahme, die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten», betont der Bankenverband BdB. Geldanlagen in Fremdwährungen seien generell allerdings nicht ohne Risiko.

Was bedeuten die Abwertungen für Unternehmen?

Exportorientierte Firmen können davon profitieren, weil ihre Produkte auf dem Weltmarkt billiger werden. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Zudem steigen im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die nationale Währung. So bescherte die Abwertung des Euro deutschen Börsenschwergewichten im vergangenen Jahr kräftige Wechselkursgewinne. Die Nordamerika-Umsätze der Dax-Konzerne stiegen nach Berechnungen des Beratungsunternehmens EY dadurch um fast ein Viertel. Zugleich werden Importe allerdings teurer.

Wieso können Wechselkursveränderungen problematisch sein?

Unternehmen gehen bei ihren Planungen von bestimmten Wechselkursen aus. Ändern sich die Verhältnisse deutlich, kann das Löcher in die Bilanzen reißen. Firmen versuchen sich zwar gegen Währungsschwankungen abzusichern. Das gängigste Instrument sind sogenannte Termingeschäfte. Wenn klar ist, wann etwas in einer bestimmten Währung bezahlt wird, kann ein Unternehmen mit seiner Bank für diesen Termin den Tausch der Währung zu einem bestimmten Wechselkurs vereinbaren. Die Absicherung kostet allerdings Geld. Kommt es zu extremen Schwankungen am Devisenmarkt, wird eine Absicherung zudem schwierig.

Was können Notenbanken tun?

Neben Zinssenkungen können sie über Währungskäufe auch direkt am Devisenmarkt eingreifen. So könnte beispielsweise die Bank of England Pfund kaufen und andere Währungen verkaufen, um den Kurs der Landeswährung zu stabilisieren.