Piloten-Streik bei Germanwings kurz nach Lokführer-Ausstand

Reisende in Deutschland treffen Streiks in dieser Woche doppelt hart. Kurz nach dem Ende des Ausstands der Lokführer wollen am Donnerstag um 12.00 Uhr die Kapitäne der Lufthansa-Tochter Germanwings bundesweit für zwölf Stunden die Arbeit niederlegen.

Dies kündigte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Mittwoch in Frankfurt an. Reisende müssen sich zum Ende der Herbstferien in Nordrhein-Westfalen und Thüringen auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen.

Bedauerlicherweise habe Lufthansa alle Kompromissvorschläge der VC im Konflikt um die Übergangsrente der Piloten nicht aufgegriffen und mauere weiter, erklärte die Gewerkschaft. «Deswegen müssen sich die Kunden in der nächsten Zeit auf weitere Streiks einstellen». Zuletzt hatten die Piloten bei Germanwings Ende August für sechs Stunden die Arbeit niedergelegt. 116 Flüge fielen aus.

Lufthansa warf der Gewerkschaft vor, der Streikaufruf «richtet sich ganz offensichtlich gezielt gegen Familien». Zum Ende der Herbstferien in Nordrhein-Westfalen hätten viele Urlauber ihre Rückreise für Donnerstag gebucht. «Damit verabschiedet sich die Pilotengewerkschaft ganz offensichtlich von ihrem Grundsatz, nicht in erster Linie die Passagiere der Lufthansa Gruppe treffen zu wollen». VC gehe es nicht um eine konstruktive Lösung, sondern vielmehr um den größtmöglichen Schaden bei Lufthansa.

Germanwings ist vor allem an den Flughäfen in Nordrhein-Westfalen vertreten. Standorte sind Köln/Bonn, Düsseldorf und Dortmund. Darüber hinaus fliegt die Lufthansa-Tochter Berlin, Hannover, Hamburg und Stuttgart an. Die Fluggesellschaft kündigte auf ihrer Homepage an, um 17.00 Uhr einen Ersatzflugplan veröffentlichen zu wollen.

Seit April hat Cockpit in sechs Streikwellen mehr als 4300 Flüge mit rund 500 000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. In dem Tarifkonflikt geht es um die künftigen Übergangsrenten für 5400 Piloten und Co-Piloten der Fluggesellschaften Lufthansa, Lufthansa-Cargo und Germanwings. Die Lufthansa hat die bisherigen Regeln zum Jahresende 2013 gekündigt. Sie will erreichen, dass die Piloten frühestens mit 60 (bislang 55) Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen können. Zudem soll das durchschnittlich zu erreichende Austrittsalter von 58 auf 61 Jahre angehoben werden. Dazu wurden komplexe Übergangsregeln angeboten.

Lufthansa erklärte, ihr zuletzt konkretisierter Vorschlag sehe einen umfassenden Bestandsschutz für alle bisherigen Piloten vor. «Von der VC ist bislang kein Angebot zur Neuregelung der Übergangsversorgung bekannt.»