Piloten verschärfen Streiks bei Lufthansa - Lokführerausstand beendet

Wenige Stunden nach dem Ende des Lokführerstreiks sind am Montag wieder die Lufthansa-Piloten in den Ausstand getreten und haben erneut Tausende Passagiere warten oder ganz stehen lassen.

Am Mittag begann der 35-stündige Streik der Flugkapitäne zunächst auf der Kurz- und Mittelstrecke.

Am Dienstag sollen die Ausstände von 06.00 Uhr bis kurz vor Mitternacht auf Langstreckenverbindungen ausgeweitet werden, wie die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mitteilte. Lufthansa strich 1511 Flüge, betroffen sind etwa 166 000 Passagiere.

Die achte Streikwelle im Konflikt um den Vorruhestand der Piloten trifft vor allem Lufthansa-Passagiere auf Strecken von und nach Frankfurt. Europas größte Fluggesellschaft stellte die Langstreckenverbindungen in die Mainmetropole für Dienstag fast vollständig ein. Der überwiegende Teil der Kurz- und Mittelstreckenflüge werde ebenfalls gestrichen, teilte die Fluggesellschaft mit.

Die Lufthansa will, dass ihre Piloten später als bisher in den bezahlten Vorruhestand gehen. Dazu wurden komplexe Übergangsregeln angeboten. Beide Seiten warfen sich gegenseitig Kompromisslosigkeit vor. «Es ist nicht mehr nachvollziehbar, warum sich die Vereinigung Cockpit so kompromisslos einer Lösung des Tarifkonflikts versperrt», Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne. Ein Cockpit-Sprecher kritisierte, bislang habe Lufthansa nur gemauert.

Bei der Bahn beendeten die Lokführer am frühen Morgen ihren bisher längsten Ausstand in diesem Jahr. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte den Personenverkehr 50 Stunden bestreikt und den Güterverkehr 61 Stunden. Der Reiseverkehr sei zu 85 Prozent zum Erliegen gekommen, sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky der dpa. Die Bahn erklärte dagegen, man habe «zumindest ein Drittel des Verkehrs anbieten» können.

Der Ausstand am Wochenende hat nach Angaben der Deutschen Bahn einen wirtschaftlichen Schaden «in zweistelliger Millionenhöhe» verursacht. Weselsky bekräftigte, dass die GDL von Montag an eine siebentägige Streikpause einlege. Die Gewerkschaft will fünf Prozent mehr Einkommen und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt angesichts der Streikwellen bei der Bahn und Lufthansa auf eine baldige Verständigung der Tarifparteien. Sie hoffe, «dass diese Konflikte schnell beigelegt werden können», sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin. Aus Sicht der Kanzlerin zeigten die Streiks, «dass es viele gute Gründe gibt, ein Gesetz zur Tarifeinheit zu verabschieden». Laut Arbeitsministerium soll sich das Bundeskabinett am 3. Dezember mit einem entsprechenden Entwurf befassen.