Polen verweigert «Nachtwölfen» die Einreise

Trotz eines Einreiseverbots nach Polen wollen die russischen Biker der kremltreuen «Nachtwölfe» an ihrer Motorradtour zum Weltkriegsgedenken von Moskau nach Berlin festhalten.

«Alles bleibt wie geplant», sagte der Vize-Präsident des Clubs, Felix Tschernjachowski. Er sagte zunächst nicht, welche Route genau die Biker nun nehmen wollen.

Zugleich verteidigte der Club seine geplante Tour. «Wir sind Biker, unbewaffnet, offen nach allen Seiten», sagte der Präsident des Clubs, Alexander Saldostanow, im Interview des kremltreuen TV-Senders lifenews.ru. Die Tour sei nicht - wie von der polnischen Regierung behauptet - eine Provokation. Die etwa 20 Biker wollten noch am Samstag in Moskau losfahren.

«Unsere Reise ist eine Demonstration des Vertrauens, nicht der Stärke. Wir wollen die Gräber unser Großväter besuchen, das ist unsere Pflicht», sagte der auch unter dem Namen «Chirurg» bekannte Biker.

Die Reise sollte ursprünglich über Weißrussland, Polen, Österreich, Tschechien und die Slowakei bis nach Deutschland führen. Doch mit dem Nein aus Polen ist der kürzeste Landweg von Moskau nach Berlin dicht. Fraglich ist, ob die Biker den Umweg über die Ukraine wagen.

Polen hatte zuvor die Einreise des Clubs mit guten Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin abgelehnt. Die russische Botschaft in Warschau sei am Freitag in einer diplomatischen Note darüber informiert worden, teilte das Außenministerium mit.

Moskau kritisierte den Schritt. «Wir finden es schade. Wir bedauern diese Entscheidung sehr», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Agentur Interfax. Auch das russische Außenministerium zeigte sich irritiert. Die Behörde sei «verärgert wegen der Absage der polnischen Stellen, die Biker bei ihren geplanten Aktionen zum 70. Jahrestag des Kriegsendes zu unterstützen».

Polen begründete das Einreiseverbot damit, dass die «Nachtwölfe» keine ausreichenden Angaben über ihre Fahrtroute und ihre Übernachtungsstationen gemacht hätten. Diese Informationen seien aber erforderlich, «um den Teilnehmern der Fahrt ausreichend Sicherheit zu bieten».

Der Konflikt in der Ukraine hat in den vergangenen Monaten das Verhältnis zwischen Moskau und Warschau stark belastet. Der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna und Regierungschefin Ewa Kopacz nannten die Rocker-Fahrt eine Provokation. «Das ist nicht nur ein Motorradclub, oder eine Gruppe von Touristen. Sie befassen sich auch mit anderen Dingen, rühmen die Politik von Putin.» In sozialen Netzwerken in Polen hatten Tausende gegen die geplante Tour der «Nachtwölfe» protestiert.

Die «Siegesfahrt» des Motorradclubs von Moskau nach Berlin zur Erinnerung an den Sieg der Roten Armee über das nationalsozialistische Deutschland ist auch in anderen Ländern umstritten. Der Bundesregierung kommt die Tour ungelegen. Diese nach Kenntnis der Regierung private Initiative leiste keinen Beitrag zur Stärkung der deutsch-russischen Beziehungen, hieß es aus dem Auswärtigen Amt. Eine Gruppe von 75 slowakischen Intellektuellen forderte die Regierung in Bratislava auf, den Motorradfahrern die Einreise zu verweigern. «Die Botschaft der Motorrad-Gang ist nicht die Niederwerfung des Faschismus, Freiheit und Frieden, sondern die Expansion Russlands.»