Politische Unsicherheit in Europa belastet den Dax

Die Aussichten für den Dax bleiben auch nach drei Verlustwochen in Folge eher trübe. «Vor allem die politische Unsicherheit macht uns Sorgen», schreiben die Experten der WGZ Bank.

Politische Unsicherheit in Europa belastet den Dax
Fredrik Von Erichsen Politische Unsicherheit in Europa belastet den Dax

Die nahende Abstimmung in Großbritannien über den Verbleib in der EU bereitet ihnen dabei besonders viel Kopfzerbrechen. Weiter im Fokus stehen die Geldpolitik der großen Notenbanken sowie die Ölpreise und der Eurokurs als Richtungsgeber für die Aktienmärkte.

Der deutsche Leitindex schloss nach zwischenzeitlich noch höheren Kursen bei 9622,26 Punkten, ein Plus von 0,96 Prozent. Der Wochenverlust schmolz damit auf 1,76 Prozent zusammen - es war allerdings die dritte negative Woche in Folge.

Die in der neuen Woche anlaufende US-Berichtssaison könnte dem deutschen Leitindex indes positive Impulse geben, glaubt Analyst Christian Apelt von der Landesbank Hessen-Thüringen. «Die Marktteilnehmer gehen von einem deutlichen Gewinnrückgang aus, so dass die Messlatte nicht allzu hoch liegt.» Die Ölnotierungen gelten als wichtiger Indikator für die Einschätzung der Weltkonjunktur.

An der Wirtschaftsentwicklung orientiert sich auch die US-Notenbank Fed. Zuletzt hatte Fed-Chefin Janet Yellen die Aussicht auf graduelle Zinsanhebungen bestätigt, zugleich aber wirtschaftliche Risiken zur Sprache gebracht. Nach zuletzt geringeren Zinserhöhungserwartungen könnte nun eine Gegenbewegung einsetzen, so Apelt.

Der Eurokurs spielt derweil eine wichtige Rolle für die Exporte deutscher Unternehmen in Länder außerhalb des Währungsraums. Hier erwartet Apelt auch künftig Unterstützung von der Europäischen Zentralbank (EZB), die mit einer Fortsetzung ihrer Nullzins-Politik den Euro niedrig halten dürfte. Das begünstigt neben den Ausfuhren auch die Aktienkurse der hiesigen Unternehmen, da Dividendenpapiere in diesem Umfeld attraktiver sind als festverzinsliche Anlagen.

Derweil blickten die Anleger mit zunehmender Nervosität auf den möglichen «Brexit», warnen die WGZ-Experten. Ein «Nein» der Briten zur EU-Mitgliedschaft am 23. Juni hätte «immense Auswirkungen für die Kapitalmärkte».

Dass die Niederländer in einer Volksabstimmung das EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine klar abgelehnt haben, ist für die WGZ ein weiterer Beleg für die tiefe Krise, in der die EU stecke. Weiteres politisches Ungemach droht in Griechenland. In wenigen Wochen müssen die Gespräche der Regierung mit den internationalen Geldgebern abgeschlossen sein, damit neue Hilfsmilliarden nach Athen fließen können. Es geht um bis zu 86 Milliarden Euro - ohne Unterstützung droht dem Land erneut die Pleite.