Polizei räumt Münchner Flüchtlingscamp

Mehrere hungerstreikende Flüchtlinge haben in München die Nacht auf Bäumen verbracht, nachdem ihr Protestlager zuvor geräumt worden war. Nach stundenlangen Verhandlungen kletterten die sieben jungen Männer am Morgen herunter.

Polizei räumt Münchner Flüchtlingscamp
Felix Hörhager Polizei räumt Münchner Flüchtlingscamp

In einer nahe gelegenen Kirche wurden sie medizinisch versorgt, einer kam wegen Unterkühlung in ein Krankenhaus.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) sprachen eine Stunde lang mit den Flüchtlingen über ihre Anliegen. «Sie haben ihr Ziel erreicht: nämlich eine Diskussion anzustoßen», sagte Reiter.

Die Asylbewerber hatten seit Samstag mit einem Hungerstreik für ein Bleiberecht in Deutschland und gegen die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften protestiert. Am Mittwoch verzichteten sie auch aufs Trinken.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) begrüßte das Ende der Aktion. «Die Gefahr für Leib und Leben war zu groß, die Gesundheit der Menschen muss absolute Priorität haben», teilte er mit. Der Minister kritisierte erneut die Vorgehensweise und «unerfüllbaren» Forderungen der Hungerstreikenden.

Münchens Rathauschef Reiter bot den Protestierenden an, noch vor Weihnachten einen Runden Tisch mit Vertretern von Politik und Verbänden zu organisieren. «Sie haben mit der Aktion überzeugend dargelegt, dass sie bereit sind, für Ihre Ziele zu kämpfen», sagte Reiter. «Wir brauchen einen Plan, um Flüchtlinge in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu integrieren.»

Die Flüchtlinge zeigten sich nach der Diskussion mit Reiter zufrieden. Sie waren froh, sich mit Tee aufwärmen und etwas essen zu können. «Es war unglaublich kalt», sagte einer von ihnen. «Wir waren so müde, aber wir waren alle stark genug, um durchzuhalten und für unsere Rechte zu kämpfen.»

Die Lage der Asylbewerber am Sendlinger Tor hatte sich am Mittwoch bei winterlichen Temperaturen zugespitzt. Nach Angaben des Leiters des Kreisverwaltungsreferats, Wilfried Blume-Beyerle, bestand die Gefahr, dass sie im Schlaf in einen «komatösen Zustand» fallen.

An der Räumung des Protestlagers waren rund 500 Polizisten beteiligt. Die Aktion verlief relativ schnell, allerdings kletterten dann mehrere Flüchtlinge auf zwei Bäume. Mit Feuerwehrleitern und unter dem Schutz mehrerer Rettungskissen bemühten sich die Einsatzkräfte behutsam, sie herunterzuholen.

Im Juni 2013 hatte die Münchner Polizei ein ähnliches Camp geräumt, nachdem die Flüchtlinge dort mehrere Tage lang nicht getrunken hatten. 44 Flüchtlinge kamen damals in Krankenhäuser. Einer von ihnen habe wiederbelebt werden müssen, mehrere hätten im Koma gelegen, hatte die Stadt zur Begründung der Räumung angegeben.