Pop-Elfe Björk kommt in New York zu Museums-Ehren

Das Schwanen-Kleid ist natürlich auch da. Im Jahr 2001 trug Björk die Robe des mazedonischen Designers Marjan Pejoski zur Oscar-Gala und sorgte damit weltweit für Schlagzeilen.

Bei dem Outfit scheint ein Schwan um den Hals der Trägerin zu hängen. Noch heute taucht das polarisierende Kleid immer wieder auf Listen der schlechtgekleidetesten Persönlichkeiten bei Oscar-Auftritten aller Zeiten auf - aber jetzt hat es auch einen Platz im Museum. Drapiert an einer zierlichen Björk-Schaufensterpuppe steht die weiße Feder-Robe im Zentrum einer großen Retrospektive über das Werk des isländischen Multitalents. Die Schau ist von Sonntag (8. März) an im renommierten New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) zu sehen.

Jahrelang hat der deutsche Kurator Klaus Biesenbach, der auch schon die Elektropop-Band Kraftwerk ins MoMA holte, auf die wohl bekannteste Isländerin eingeredet, bis sie sich schließlich zu der Schau bereiterklärte. «Sie schaut nicht gerne zurück», sagt Biesenbach bei einer Vorbesichtigung der Ausstellung. «Ich habe ihr dann gesagt, dass es eine Zukunfts-Retrospektive wird, eine Schau darüber, wo sie in drei Jahren sein wird.» Björk sei schon lange nicht mehr nur Musikerin, sondern eine «sehr reife, fortgeschrittene Künstlerin, die eine hohe Anerkennung erlangt hat».

Anhand ihrer ersten sieben Alben führt die Schau durch Leben und Werk der 1965 in Reykjavik geborenen Pop-Elfe, die seit ihrer frühen Kindheit Musik macht und weltweit mehr als 20 Millionen Alben verkauft hat. Unter anderem Musikvideos, Tagebücher - erst auf Isländisch, dann auf Englisch -, Texte, Kompositionen, Fotos und schrille Kostüme verdeutlichen die Vielfältigkeit des Multitalents. Ein dazu eigens aus Text und Musik komponierter Audioguide macht den Gang durch die Ausstellung zum Wandel durch ein isländisches Musikmärchen.

«Es ist eine Ausstellung, die dieses Museum verändern wird, und sie wird auch die Art und Weise verändern, wie Museen mit Musik umgehen», sagt Biesenbach. Bis zum Ende der Retrospektive am 7. Juni erwarte das MoMA extrem hohe Besucherzahlen und denke schon jetzt über eine Verlängerung der Öffnungszeiten nach, sagt Direktor Glenn Lowry. Björk habe «alle Grenzen des Museums gesprengt». «Diese Ausstellung war eigentlich unmöglich. All das umzusetzen, was Björk wollte, ging gar nicht.»

Trotz all des Trubels ist es auch eine sehr leise und persönliche Schau geworden. «Björk möchte, dass alle Menschen hier im dritten Stock wirklich in Ruhe innehalten, und ich glaube, das werden sie auch», sagt Lowry. Eine Quelle für ihre Inspiration ist ihre Heimat Island. «Natur und Hightech sind für mich kein Widerspruch, sie gehören zusammen», sagte Björk der Wochenzeitung «Die Zeit». Auf die Frage «Sind Sie eine Romantikerin?» antwortete die 49-Jährige: «Es kommt darauf an, was man darunter versteht. Wenn damit der Glaube gemeint ist, dass die Dinge eine Seele haben, dann ja.»

Im Mittelpunkt des Werks der Isländerin steht jedoch meist sie selbst, ihre Gefühle, Leidenschaften, Beziehungen, Trennungen und Schwangerschaften. In dem eigens für die Schau geschriebenen Song «Black Lake» verarbeitet sie die noch frische Trennung von dem US-Medienkünstler Matthew Barney, mit dem sie eine Tochter hat, mit herzzerreißenden Worten. «Die Hingabe zur Familie war doch immer unsere gemeinsame heilige Mission, die du verlassen hast. Habe ich dich zu sehr geliebt?»

Doch so intim die Ausstellungsstücke auch sind, die Schau bringt Björk dem Betrachter nicht wirklich als plastischen Menschen näher, sondern lässt sie zu einem verschwommenen, elfisch-mythischen und beeindruckenden Gesamtkunstwerk werden - so surreal wie ihr Auftritt bei einer Vorbesichtigung der Ausstellung: An der Seite von Kurator Biesenbach huscht die Sängerin in einem schwarzen Kaktus-Kostüm in einen dunklen und schallgeschützten Raum voller Journalisten. Das Licht bleibt aus, nur die Umrisse des Kaktusses sind zu erkennen. Die Erstellung der Schau sei eine «intime Reise» für sie gewesen, sagt Björk auf Englisch mit scharfem isländischen Akzent. Allen Beteiligten sei sie sehr dankbar, ergänzt sie noch - und dann schleicht der zierliche schwarze Kaktus wieder davon.