Pop-Legende Yusuf : «Ich träume noch immer»

Frieden und Freiheit - das waren die Schlüsselworte von Cat Stevens, und es sind die von Yusuf.

Pop-Legende Yusuf : «Ich träume noch immer»
Marcus Brandt Pop-Legende Yusuf : «Ich träume noch immer»

Im dpa-Interview spricht der 66 Jahre alte Sänger über sein neues Blues-Album «Tell 'Em I'm Gone», das am Freitag erscheint, und seine Religion: «Auch viele Muslime müssen noch viel lernen.»

Frage: Yusuf, als Cat Stevens waren Sie ein westlicher Popstar, unter Ihrem neuen Namen richten Sie Ihr Leben nach dem Koran. Haben Sie Ihre Identität gefunden?

Antwort: Ich wandle zwischen zwei Welten. Da ist es schwierig, genau zu sagen: Das ist, wer ich bin. Ja, ich habe meine Identität so ziemlich gefunden, als ich meinen Glauben gefunden habe. Aber zu sagen, dass ich aufgehört habe zu lernen, ist unmöglich. Wissen kann aus jeder Richtung kommen, aber man muss offenherzig genug sein, um es zu empfangen.

Frage: Auf Ihrem neuen Album «Tell 'Em I'm Gone» lassen Sie den amerikanischen Blues-Sound der 50er-Jahre auferstehen. Was verbindet Sie mit dieser Musik?

Antwort: Schon als Teenager habe ich Rhythm and Blues gehört, die kleinen Scheiben aus schwarzem Wachs aus den USA haben mich beeinflusst: Muddy Waters, Bo Diddley, Chuck Berry... Das waren die ersten Lieder, die ich auf der Gitarre gelernt habe, auf einer Feuertreppe, als ich als Kunststudent eigentlich im Unterricht sein sollte. Es ist großartig, den Wurzeln dieser Musik zu folgen - das führt dich an ihren Kern.

Frage: Mit Blues sind Sie aber nicht bekanntgeworden. Warum nicht?

Antwort: Ich war wahrscheinlich zu individualistisch. Als ich anfing, Platten zu machen, ging ich durch eine Phase, in der andere Leute meine Musik bestimmten. Das war hart für mich. «Tell 'Em I'm Gone» steht für den Abschied davon, im Käfig der Wahrnehmung anderer zu sein. Dafür, deinen eigenen Weg zu finden, der dir entspricht und angenehmer ist, als von anderen einen Stempel aufgedrückt zu bekommen.

Frage: Im November treten Sie mit Ihrer Tour «Peace train... late again» in Berlin, Hamburg und Düsseldorf auf. Die Konflikte sind seit 1971, als Sie «Peace Train» schrieben, nicht weniger geworden.

Antwort: Das ist richtig. Ich trage weiter die Botschaft der Hoffnung. Aber ich bin auch Realist - und noch ist es nicht soweit. Ich bin jemand, der immer noch träumt.

Frage: Sowohl im Namen des Islam als auch im Namen der Demokratie wird dieser Tage Unrecht getan.

Antwort: Stimmt. Die Frage sollte aber nicht sein: Auf welcher Seite stehst du? Das wäre antagonistisch. Wir brauchen mehr Protagonisten! So wie ich das sehe, sind die rar gesät. Auf beiden Seiten. Es ist leicht, in den Krieg zu ziehen, Frieden zu schaffen ist so viel komplizierter. Ich denke, der Schlüssel ist die Bildung. Ohne Bildung werden die Menschen sich ihre Lektionen von anderen holen, und die werden wahrscheinlich nicht ausgebildet sein und radikal denken.

Frage: Nach ihrer Konversion zum Islam haben Sie jahrelang keine Musik mehr gemacht. Warum hat es so lange gedauert, bis Sie sagten: Die Gitarre und der Islam schließen sich nicht aus?

Antwort: Ich muss mich immer noch oft erklären, weil es auch in der muslimischen Gemeinde Kritik gibt. Einige muslimische Kritiker haben nur eine pauschale Idee davon, was Musik bedeutet. Meine Texte haben sie offensichtlich nicht gelesen. Genauso, wie viele Leute nur eine pauschale Idee davon haben, wofür Muslime stehen. Da gibt es so viele Zerrbilder... zerbrochene Spiegel. Aber, nochmal, auch viele Muslime müssen noch viel lernen. Ich glaube, meine Position ist da ziemlich einzigartig und wichtig, um eine Brücke zu schlagen.

ZUR PERSON: Yusuf Islam (66) wurde am 21. Juli 1948 in London als Steven Demetre Georgiou geboren. Unter dem Künstlernamen Cat Stevens erreichte er mit Hits wie «Father & Son» Weltruhm, bevor er 1977 zum Islam konvertierte und sich aus dem Rampenlicht zurückzog. 2006 gab er sein Comeback im Musikgeschäft.