«Poppies» erinnern in London an Ersten Weltkrieg

Der ausgetrocknete Festungsgraben um den Tower von London ist ein einziges Meer von Rot. Zehntausende strömen täglich zu dem Londoner Wahrzeichen, um die dort «eingepflanzten» roten Keramikblumen zu bestaunen.

«Poppies» erinnern in London an Ersten Weltkrieg
Hannah Mckay «Poppies» erinnern in London an Ersten Weltkrieg

Bis zum 11. November sollen dort genau 888 246 Poppies (Mohnblumen) stehen - eine für jeden Soldaten aus Großbritannien und den Commonwealth-Ländern, der im Ersten Weltkrieg fiel.

Die Symbolik der blutgetränkten Erde von Flandern und Nordfrankreich, wo die Poppy auf den Schlachtfeldern wuchs, hat sich als ein Publikumsrenner erwiesen. Nach Einschätzung der Organisatoren dürfte die Anzahl der Besucher seit Anfang August bei vier Millionen liegen. Das Projekt ist politisch umstritten - aber in der Kunstwelt wird seine Anziehungskraft als bahnbrechend bewertet.

Die Installation mit dem Titel «Blood Swept Lands and Seas of Red » (Blutgetränkte Erde und ein Meer von Rot) ist das Werk von Bühnen-Designer Tom Piper und Keramikkünstler Paul Cummins. Sie ließen die «Blumen» von Hand anfertigen und von freiwilligen Helfern einsetzen. Nach dem 11. November, dem Tag, an dem 1918 der Erste Weltkrieg zu Ende ging, werden die Kunstwerke ausgegraben und zur Unterstützung militärischer Hilfsorganisationen für 25 Pfund (31 Euro) pro Stück verkauft. Schon jetzt sind alle 888 246 Exemplare vergeben.

Nach Ansicht der «Financial Times» signalisiert das Poppy-Feld einen «fundamentalen Wandel» weg von klassischen Kriegsdenkmälern zum «Bildungs-Entertainment» der heutigen Zeit. Es sei kein Zufall, dass die Installation auf so wichtige Ausstellungen folge wie Ai Weiweis «Sunflower Seeds» (Millionen von Sonnenblumenkernen aus Porzellan) in der Tate Modern (2010) und Antony Gormleys «Field» mit Tausenden kleiner Tonfiguren, die der britische Künstler an wechselnden Orten zeigte.

Die herkömmlichen düsteren Denkmäler aus grauem Stein seien von der «fließenden Sprache der Installationskunst» überholt worden, schrieb die Zeitung. Die «Erinnerung als Spektakel», wie sie von Piper und Cummins konzipiert wurde, könnte sich als die «bisher wirkungsvollste Art des Gedenkens» in der britischen Geschichte erweisen.

Für den «Guardian» allerdings ist es ein «hübsches, aber zahnloses» Denkmal. Krieg sei weder edel, noch anmutig oder würdig - wie über die Blumen fälschlich suggeriert werde.

Cummins zeigte sich in einem Interview mit der BBC «überrascht und überglücklich» über den Erfolg des Projekts. Es sei zwar «schade», dass die Poppies nicht bleiben, aber ihre Vergänglichkeit sei wichtig. «Nichts ist permanent, der Krieg war nicht permanent, aber er überdauerte in unserer Erinnerung. Davon soll jeder etwas mitnehmen.»