Porträt: Ahmet Davutoglu

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat meist ein Lächeln auf den Lippen. Nicht so am Donnerstag. Da verkündete Davutoglu vor der gebannt lauschenden Nation das baldige Ende seiner steilen politischen Karriere.

Porträt: Ahmet Davutoglu
Sedat Suna Porträt: Ahmet Davutoglu

Seinen Aufstieg hatte Davutoglu dem heutigen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu verdanken - ebenso wie jetzt seinen tiefen Fall.

Davutoglu ist der prominenteste Intellektuelle in der AKP-Regierung. Der Professor stieg vom außenpolitischen Chefberater zum Außenminister auf, bevor er Ministerpräsident wurde. Entsprechend diplomatisch ist das Auftreten des 57-Jährigen - eine Eigenschaft, die Erdogan nicht unbedingt zugeschrieben wird.

Davutoglus diplomatisches Geschick kam auch in der Flüchtlingskrise zu tragen. Er war der Ansprechpartner für die EU und besonders für Bundeskanzlerin Angela Merkel - und je länger die Krise dauerte, desto mehr stieg die Achtung für Davutoglu. Er und Merkel gelten als Architekten des Flüchtlingspaktes der EU mit der Türkei.

Erdogan hatte Davutoglu vor gut 20 Monaten als Nachfolger an der Spitze von Partei und Regierung installiert. Erdogan selber war gerade zum Staatspräsidenten gewählt worden. Seine Anhänger beäugten den neuen Vorsitzenden mit zunehmendem Misstrauen - und warfen ihm vor, Erdogans Macht untergraben zu wollen.

Dabei blieb Davutoglu bis zuletzt ganz der treue Gefolgsmann. Am Donnerstag kündigte er nicht nur seinen Rückzug bei einem AKP-Sonderparteitag am 22. Mai an - sondern versprach auch, Erdogan «bis zum letzten Atemzug» loyal zu bleiben.