Porträt: Nadeschda Tolokonnikowa

Ungebrochen, perfekt gestylt und doch etwas schmal im Gesicht tritt Nadeschda Tolokonnikowa von der Punkband Pussy Riot nach mehr als 20 Monaten Haft vor die Scheinwerfer der russischen Medien.

Porträt: Nadeschda Tolokonnikowa
Maxim Shipenkov Porträt: Nadeschda Tolokonnikowa

Ja, sie wolle weiter politisch kämpfen in Russland - in Opposition zu Kremlchef Wladimir Putin, sagt die 24 Jahre alte Wortführerin der schrillen Band mit den Strickmasken.

Sie sei eine vom Teufel besessene Punkerin, meinte nicht nur die Staatsanwaltschaft, sondern auch die Kirche, gegen deren Macht in Russland sie protestiert hatte. «Die Wahrheit ist das Wichtigste für uns, mehr noch als die Freiheit», sagt die Künstlerin selbst. Als Vorbild nennt sie die deutsche Punk-Ikone Nina Hagen.

Auch wegen ihrer aufgeweckten großen braunen Augen zieht die Mutter einer fünfjährigen Tochter das größte Interesse auf sich. Seit Jahren mischt die Philosophiestudentin mit ihrem Ehemann Pjotr Wersilow in der radikalen Kunstszene mit. Emigration sei für sie keine Alternative, sagte sie einmal.

Schon 2008 machte Tolokonnikowa, geboren am 7. November 1989, von sich reden: Gerade 18 Jahre und hochschwanger demonstriert sie mit anderen Aktivisten mit Gruppensex gegen den von Putin ausgewählten neuen Präsidenten Dmitri Medwedew. Mit solchen Aktionen will «Nadja Tolokno» das System provozieren, bis es sich selbst entlarvt.

Während viele die innere Emigration vorziehen, protestiert die 24-Jährige öffentlichkeitswirksam gegen Bevormundung, Gängelungen und biedere Moral. Vor Gericht zeigt sie sich ungebrochen - einmal prangt auf ihrem T-Shirt eine geballte Faust.