Porträt: Neuer Präsident will Versöhnung mit dem Westen

Der moderate Kleriker Hassan Ruhani hat erreicht, was vor ein paar Monaten noch unvorstellbar schien - die Rückkehr der Reformer an die Macht im Iran. Nach der achtjährigen Präsidentschaft Mahmud Ahmadinedschads soll nun sowohl innen- als auch außenpolitisch ein frischer Wind wehen.

Porträt: Neuer Präsident will Versöhnung mit dem Westen
Abedin Taherkenareh

«Diese achtjährige dunkle Ära sollte rasch beendet und vergessen werden», sagte Ruhani im Wahlkampf - und ging damit an die Grenzen des Erlaubten.

Ruhanis Wahlslogan lautete: Besonnenheit und Hoffnung. Als Präsident will der ehemalige iranische Atom-Chefunterhändler ein Ende der internationalen Isolierung seines Landes erreichen. Seine Visitenkarte für den Westen: Unter seiner Ägide hatte der Iran 2005 sein umstrittenes Urananreicherungsprogramm kurzfristig eingestellt.

Ruhani wurde von den beiden Ex-Präsidenten Mohammed Chatami und Akbar Haschemi Rafsandschani unterstützt. Hinzu kamen viele Wähler, die vielleicht nicht unbedingt für Ruhani waren. Sie wollten aber mit ihren Stimmen den Herrschenden klar machen - bis hierhin und nicht weiter.

Der Kleriker, geboren 1948 in Sorcheh im Zentraliran, war 29 Jahre lang Abgeordneter und Vizepräsident des Parlaments. 1989 wurde er zum Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats ernannt. 2003 bestimmte ihn Präsident Chatami zum Chefunterhändler im Atomstreit mit dem Westen.

Unter seiner Vermittlung hatte der islamische Staat wegen seines Atomprogramms zwar Differenzen mit dem Westen, aber es gab weder eine Krise noch lähmende Sanktionen. Kurz nach dem Amtsantritt von Ahmadinedschad im Sommer 2005 trat Ruhani wegen diverser Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsidenten zurück.

Für seine Kampagne wählte Ruhani die Farbe Lila. Die Opposition hatte sich vor vier Jahren für die Farbe Grün entschieden und kam damit besonders bei den Jugendlichen gut an.

Bereits in seiner ersten Rede als Präsidentschaftskandidat übte Ruhani harsche Kritik an Ahmadinedschads Atompolitik. Die Verhandlungen dürften nicht so geführt werden, dass das Land in eine politische und wirtschaftliche Krise gerate. Ahmadinedschad beherrsche nicht die Kunst der Diplomatie. Stattdessen ergehe er sich in Hetzrhetorik, die das Land an den Rand eines Krieges gebracht habe.