Porträt: Peter Gauweiler

Plötzlich sitzt der Außenseiter in der Parteispitze: Peter Gauweiler - Querkopf, Einzelkämpfer und Euro-Rebell - wurde am Samstag auf dem Parteitag in München mit 79,1 Prozent zu einem von vier Stellvertretern des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer gekürt. Für den 64-Jährigen ist es der zweite Anlauf, nachdem ein eigentlich schon vor zwei Jahren angepeiltes Comeback gescheitert war. Damals trat er in einer umstrittenen Aktion gegen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer an - und unterlag einigermaßen knapp mit 419 zu 440 Stimmen.

Porträt: Peter Gauweiler
Tobias Hase Porträt: Peter Gauweiler

Dass er trotz dieser Niederlage weitermachte, hob Seehofer nun besonders hervor. «Stehen zu bleiben und für unsere Partei zu fighten im Wahlkampf, das nötigt mir Respekt ab.» Auch Gauweiler befand, seine Situation sei «leicht ungewöhnlich». Vor den Delegierten deutete er seine europapolitische Melodie nur kurz an. Er sprach über «Irrwege von vielen Berufseuropäern», machte sich für Volksentscheide stark. «Wir wollen mitmachen, aber wir wollen nicht alles abgeben, sondern die Verantwortung bei denen lassen, die sie uns gegeben haben.»

Mitglied der CSU ist der Rechtsanwalt Gauweiler schon seit 1968, galt als «Ziehkind» des CSU-Übervaters Franz Josef Strauß. Einst Leiter des Münchner Kreisverwaltungsreferats und als harter «Law-and- Order-Mann» berüchtigt, wurde der «schwarze Peter» 1986 Staatssekretär im bayerischen Innenministerium. Damals sorgte er mit markigen Forderungen nach Aids-Zwangstests für Homosexuelle für Wirbel.

1990 zog Gauweiler erstmals in den Landtag ein und wurde Umweltminister. Doch schon vier Jahre später musste er nach der sogenannten «Kanzlei-Affäre» um eine angebliche Verquickung privater und politischer Interessen seinen Hut nehmen - auch auf Druck des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU). Der Anwaltsgerichtshof stellte später nichts Unrechtmäßiges fest.

Der Vater von vier Kindern fristete seither ein Außenseiter-Dasein in der CSU und im Bundestag, in den er 2002 erstmals gewählt wurde. Dort isolierte er sich 2003 unter anderem mit einem strikten Nein zum Irak-Krieg. Mehrfach zog der streitbare Politiker vor das Bundesverfassungsgericht und erntete dort Siege und Niederlagen. Im Herbst 2011 scheiterte er mit einer Beschwerde gegen Hilfen für Griechenland und den Euro-Rettungsschirm. Die obersten Richter stärkten allerdings die Beteiligungsrechte des Bundestages.