Positives Medienecho für EZB-Maßnahmen

Weitestgehend positiv haben die Medien in den großen Volkswirtschaften der Eurozone auf das Maßnahmenpaket der Europäischen Zentralbank (EZB) reagiert.

Positives Medienecho für EZB-Maßnahmen
Arne Dedert Positives Medienecho für EZB-Maßnahmen

Lob gibt es vor allem für EZB-Präsident Mario Draghi. Die Notenbank hatte unter anderem den Leitzins auf Null Prozent gesenkt und die Strafzinsen auf 0,4 Prozent erhöht. Zudem will sie von April an monatlich 80 Milliarden Euro statt bisher 60 Milliarden in den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren pumpen.

In Draghis Heimatland ITALIEN sprach die römische Zeitung «La Repubblica» von einer «Schocktherapie», um die Wirtschaft anzukurbeln und lobte die Entschlossenheit des italienischen Ex-Zentralbankchefs.

Der römische «Messaggero» kommentierte, Draghi habe die Erwartungen weit übertroffen. Der Mailänder «Corriere della Sera» verstand die Maßnahmen als «Beweis, dass sich die EZB auch dann nicht beeinflussen lässt, wenn ihre Kritiker so mächtig sind wie die Welt der deutschen Wirtschaft». Anerkennung gab es auch von den Gewerkschaften, die Draghis «mutige Schritte» lobten. Die Börse in Mailand legte zum Auftakt um drei Prozent zu. Vor allem Bankenwerte waren im Aufwind.

Auch in SPANIEN wurden die EZB-Beschlüsse grundsätzlich gelobt. «Die EZB tat das, was sie tun musste», meinte die liberale Zeitung «La Vanguardia». «Sie mobilisiert die gesamte währungspolitische Artillerie, um die Wirtschaft zu beleben.» Die linksliberale «El País» sieht in den EZB-Entscheidungen eine Botschaft an Berlin. «EZB-Präsident Mario Draghi signalisiert damit der Bundesregierung, dass die Eurozone eine andere Finanzpolitik braucht», schrieb die Zeitung. Das Konkurrenzblatt «El Mundo» meint, dass nun die EU-Staaten am Zug seien: «Draghi hat im Kampf gegen die Krise viel geleistet. Nun ist der Ball im Feld der Regierungen. Diesen bleibt angesichts der bedrohlichen Lage der Weltwirtschaft nicht viel Zeit.»

Kritischer sieht die Presse in der zweitgrößten Volkswirtschaft FRANKREICH die Ankündigungen der EZB. Die linksliberale «Libération» hält Draghis Politik für einen Misserfolg. «Aber voilà, vier Jahre später hat die schwere Artillerie nichts geändert (oder fast)», kritisiert sie. «Aber für il dottore Draghi ist es keine Frage, den Kurs zu ändern. Im Gegenteil: Man erhöht die Dosis.» Der konservative «Figaro» folgt dagegen einer positiveren Interpretation: Die Entscheidung sei ein Kurswechsel, der vor allem auf eine Belebung der Kreditvergabe in der Eurozone abziele. «Auf dieser gesünderen Basis kann man nur ihren Erfolg wünschen.»