Post sagt Fernbusgeschäft ade

Die Deutsche Post beendet ihren Ausflug ins heiß umkämpfte Fernbusgeschäft nach drei Jahren und verkauft die Aktivitäten an den Marktführer Flixbus. Bei der Vorlage der Quartalszahlen begründete das Bonner Unternehmen den Rückzug mit der mangelnden Wirtschaftlichkeit der Aktivitäten.

Post sagt Fernbusgeschäft ade
Daniel Reinhardt Post sagt Fernbusgeschäft ade

Flixbus hingegen treibt mit der Übernahme des Postbus seine Expansion massiv voran. «Mit dem Erwerb des Postbus-Angebots stärken wir bewusst unser Kerngeschäft in Deutschland», sagte Geschäftsführer André Schwämmlein. Zum Kaufpreis schwiegen beide Unternehmen.

Die ersten Postbus-Linien sollen ab November in das Flixbus-Netz integriert werden. Bis dahin ändert sich für die Postbus-Kunden nichts. Alle Linien seien bis zum 31. Oktober buchbar und die Postbusse würden weiter in gewohnter Zuverlässigkeit fahren, hieß es. Erst danach werden die gelben Busse aus dem Straßenbild verschwinden.

Abseits des Busgeschäfts präsentierte sich der weltweit größte Logistik- und Postkonzern in glänzender Geschäftslaune: Angetrieben durch den anhaltenden Boom im Paketgeschäft kletterte der Nettogewinn im zweiten Quartal um 66 Prozent auf 541 Millionen Euro. Der Konzernumsatz lag mit 14,2 Milliarden Euro rund 3,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. «Wir sind auf dem besten Wege, unsere Ziele zu erreichen», erklärte Vorstandschef Frank Appel.

Im vergangenen Jahr hatte die Post unter anderem durch wochenlange Streiks und durch Softwareprobleme in der Frachtsparte starke Gewinneinbußen verzeichnet, befindet sich inzwischen aber wieder auf Kurs. Im ersten Halbjahr fiel das operative Ergebnis des Konzerns mit 1,6 Milliarden Euro fast 30 Prozent höher aus als ein Jahr zuvor.

Obwohl sich mit dem Verkauf des Postbus die Marktführerschaft von Flixbus im Fernbusgeschäft weiter festigt, gibt es beim Bundeskartellamt keine Einwände gegen die Transaktion. Die Behörde sei vorab von den Unternehmen über den bevorstehenden Verkauf unterrichtet worden. Das Vorhaben sei nicht anmeldepflichtig, die Umsatzschwellen würden nicht erreicht, erklärte ein Behördensprecher.

Mit einem Marktanteil von rund 10 Prozent ist Postbus nach Angaben des Beratungsinstituts IGES (Stand April 2016) derzeit die Nummer zwei auf dem deutschen Markt - hinter Flixbus mit 70 Prozent. Insgesamt fahren 90 Postbusse auf 120 Linien, zum Teil auch in europäische Nachbarländer.

Flixbus bietet nach eigenen Angaben täglich 900 Verbindungen in 20 Ländern an. 20 Millionen Menschen hätten 2015 in Europa den Flixbus genutzt. Für 2016 rechnet das Unternehmen mit einem Zuwachs von 50 Prozent auf 30 Millionen Kunden. Ende Juni hatten die Berliner den britischen Konkurrenten Megabus übernommen und damit ihre Auslandsexpansion ausgebaut.

Die Deutsche Bahn, derzeit die Nummer Drei auf dem Fernbusmarkt, nehme die derzeitige Marktkonsolidierung zum Anlass, ihre Geschäftsaktivitäten auf den Prüfstand zu stellen. Nach einer Phase dynamischen Wachstums stagnierten derzeit die Fahrgastzahlen im Fernbusmarkt. Gleichzeitig bleibe der Wettbewerbsdruck absehbar hoch und die Preise unverändert niedrig, teilte das Unternehmen mit.