Post will vom Paketboom noch mehr profitieren

Die Deutsche Post will künftig auch in den Nachbarländern vom Paketboom profitieren, den der florierende Online-Handel ausgelöst hat.

Post-Chef Frank Appel kündigte am Dienstag an, der gelbe Riese werde auch in Polen, Tschechien und den Benelux-Staaten verstärkt Päckchen und Pakete an Privatkunden liefern.

Die Post wolle versuchen, das «deutsche Erfolgsmodell» zu exportieren, sagte Appel. Dazu sollen die entsprechenden Bereiche der Tochter DHL in die Briefsparte eingegliedert werden, in der schon das deutsche Paketgeschäft gebündelt ist.

Der Versand für Online-Händler wie Amazon federt hierzulande längst die Rückgänge im Briefgeschäft ab, das vor allem unter der starken Nutzung von E-Mails leidet. In den Wochen vor Weihnachten soll der Online-Handel für eine neuerlich starke Nachfrage sorgen und so erstmals die Marke von acht Millionen Paketen am Tag knacken.

Der Paketboom, aber auch die Portoerhöhung und das florierende internationale Expressgeschäft sorgten im dritten Quartal für wachsende Gewinne bei der Deutschen Post. Das operative Ergebnis (Ebit) legte um sieben Prozent auf 646 Millionen Euro zu.

Der Überschuss kletterte um sechs Prozent auf 399 Millionen Euro. Allerdings hatte ein Jahr zuvor die Pleite des Versandhauses Neckermann das Ergebnis belastet.

Die DHL-Sparten, in denen die Post das internationale Express- und Frachtgeschäft sowie die Lieferketten-Logistik gebündelt hat, bekamen allerdings den starken Euro zu spüren. Konzernweit sank der Umsatz daher um 2,5 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro. Dennoch erreichte die Post-Aktie am Dienstagmorgen zeitweise den höchsten Stand seit Mai 2007.

Ein neuer Hoffnungsträger der Post ist das Fernbusgeschäft, in das der gelbe Riese seit Anfang November zusammen mit dem ADAC eingestiegen ist. «Ich glaube, dass wir auf die richtige Karte gesetzt haben», sagte Appel.

Das Geschäft sei sehr gut gestartet. Die Liberalisierung auf dem Fernbusmarkt hat zahlreiche Anbieter auf den Plan gerufen. Der ADAC Postbus soll nach dem Willen der Post-Spitze Marktführer werden, fährt aber zunächst auf fünf Strecken insgesamt 24 Städte an. In den kommenden Monaten soll das Netz schrittweise wachsen.

Konzernchef Appel warnte insgesamt jedoch vor zu großem Optimismus. Zwar hält er an dem Ziel fest, den operativen Gewinn in diesem Jahr von zuletzt 2,6 Milliarden auf 2,75 bis 3,0 Milliarden Euro zu steigern. Auch in den kommenden Jahren soll es weiter nach oben gehen. Angesichts des schwierigen Marktumfelds sei dies jedoch kein Selbstläufer, betonte er.