Elias noch immer verschwunden: «Das geht unter die Haut»

Am ersten Wochenende nach dem Verschwinden des sechsjährigen Elias aus Potsdam haben Polizei und freiwillige Helfer fast ununterbrochen nach dem Jungen gesucht. Doch konkrete Spuren fanden sie trotz mehr als 200 telefonischer Hinweise nicht.

Die Verzweiflung steigt. «Das geht schon unter die Haut», sagte Polizeisprecherin Jana Birnbaum am Sonntagnachmittag. «Wir geben nicht auf und machen einfach weiter.»

Elias war am Mittwochabend von einem Spielplatz im Plattenbauviertel Schlaatz verschwunden. Auch wenn am Wochenende weniger uniformierte Beamte in der Siedlung zu sehen waren, arbeiteten die Einsatzkräfte weiter. «Unser Schwerpunkt lag in der Auswertung von telefonischen Hinweisen und Videomaterial aus Bussen, Bahnen, Supermärkten sowie Tankstellen», sagte Birnbaum. Es gebe mehrere Stunden Filmmaterial. Zusätzlich zu mehreren Zweier-Teams der Kripo waren auch wieder Spezialspürhunde unterwegs. Gefunden wurde bis zum Nachmittag nichts.

Ernstzunehmende Hinweise auf ein Verbrechen oder familiäre Probleme gibt es laut Polizei bislang nicht. Ein Zusammenhang mit der seit Anfang Mai in Sachsen-Anhalt vermissten fünfjährigen Inga, von der ebenfalls jede Spur fehlt, sei ebenfalls nicht zu erkennen. Inga war in einem Wald bei Stendal verschwunden, etwas mehr als 100 Kilometer von Potsdam entfernt.

Nach Angaben der Initiative Vermisste Kinder werden in Deutschland jährlich im Schnitt 100 000 Kinder als vermisst gemeldet. Die meisten tauchen innerhalb kürzester Zeit wieder auf. «Grundsätzlich ist es aber auch in Deutschland möglich, spurlos zu verschwinden. Im Falle eines Kindes, was über mehrere Tage verschwunden ist, ist die Wahrscheinlichkeit einer Fremdeinwirkung oder eines Unfalls sehr hoch», sagte Vorstandsmitglied Lars Bruhn.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) prangerte die Gleichgültigkeit von Passanten und Spaziergängern an. «Das ist ein Phänomen, das wir immer wieder beobachten: Dass Menschen, die eigentlich etwas sehen müssten, das nicht zur Kenntnis nehmen», sagte der Vize-Vorsitzende der Kriminalbeamten, Ulf Küch. «Vielen Menschen ist es offenbar egal, was um sie herum passiert.»