Prag: Polizei ermittelt nach Tod von palästinensischem Botschafter

Nach dem mysteriösen Tod des palästinensischen Botschafters in Tschechien durch eine Explosion laufen die Ermittlungen in Prag auf Hochtouren.

Ermittler und Sachverständige werteten die Spuren vom Tatort aus, sagte Polizeisprecherin Andrea Zoulova. Ein Labor untersucht derzeit, welcher Sprengstoff den Diplomaten tötete. Klarheit soll auch eine Obduktion bringen. Zu der Explosion kam es am Neujahrstag, als Botschafter Dschamal Al-Dschamal einen Tresor öffnete. Der 56-Jährige starb im Krankenhaus an seinen schweren Kopf- und Bauchverletzungen.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei könnte eine in Tschechien illegale Tresorsicherung nach «unsachgemäßem Umgang» hochgegangen sein. Man arbeite intensiv mit einer Delegation palästinensischer Sicherheitsexperten zusammen, die in Prag eingetroffen sei, sagte die Polizeisprecherin.

Experten öffneten einen zweiten Tresor auf dem Gelände der Residenz, fanden darin aber keinen Sprengstoff. Rund 50 Anwohner konnten inzwischen in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren.

Ein Botschaftssprecher widersprach Angaben des palästinensischen Außenministers Riad Malki, der Tresor habe über Jahrzehnte unbenutzt in einer Ecke gestanden. In den Safe sei regelmäßig Geld für den täglichen Zahlungsverkehr und die Bezahlung der Mitarbeiter der Botschaft gelegt worden, sagte Nabil al-Fahel im tschechischen Rundfunk. Von einer Sprengstoffsicherung des nach Schätzungen 25 bis 30 Jahre alten Panzerschranks sei ihm nichts bekannt gewesen.

Ein Sprecher des tschechischen Inlandsgeheimdienstes BIS bestätigte der Nachrichtenagentur CTK, dass es keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe. Der Dienst unterstütze die Arbeit der Polizeiermittler mit Informationen über Al-Dschamal und dessen Verbindungen und Kontakte.