Cortina genießt Viertelfinal-Chance: «Nicht vergessen»

Diesen Moment genoss Eishockey-Bundestrainer Pat Cortina sichtlich. Richtig ergriffen wirkte der 50 Jahre alte Italo-Kanadier, als nach dem wichtigen 2:1 gegen Lettland bei der Weltmeisterschaft wieder die deutsche Nationalhymne gespielt wurde. Endlich wieder.

Zwischen dem 2:1 zum Auftakt am 2. Mai gegen Frankreich und dem fast perfekt gemachten Klassenverbleib am Freitag lagen drei Pleiten, unter anderem das verheerende 0:10 gegen Kanada. «Oh ja, ich habe das sehr genossen», gestand Cortina: «Diese Einigkeit und der Stolz, als die deutsche Hymne nach dem Sieg gespielt wurde. Das werde ich nicht vergessen.»

Auch die Spieler wirkten nach dem zweiten WM-Sieg im fünften Spiel binnen einer Woche extrem gelöst. Voller Inbrunst sangen - ja grölten sie geradezu - die Hymne. Es war auch für das Team eine Erleichterung. «Das war extrem wichtig für uns, dass wir da unten mal raus kommen», bekannte Torhüter Dennis Endras nach dem Sieg, der der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) vor den letzten beiden Vorrunden-Partien gegen Tschechien am Sonntag und am Montag gegen Österreich (beide 16.15 Uhr/Sport 1) noch alle Möglichkeiten lässt.

«Wir haben jetzt sechs Punkte. Da ist nach unten jetzt Platz und nach oben wird es langsam enger für die anderen Teams. Man hat sich vielleicht ein kleines Türchen aufgestoßen für das Viertelfinale», sagte Matthias Plachta. Er hatte zwei Minuten vor dem Ende mit einem laut Teamkollege Patrick Reimer «Weltklasse-Schuss» die drei Punkte gesichert.

Der Schuss schlug mit solcher Wucht und Schnelligkeit im Netz ein, dass die Schiedsrichter sich die Szene wenig später noch einmal auf Video anschauen mussten und dem deutschen Team rund vier bange Minuten bescherten. «Da haben wir jetzt auch mal Glück gehabt. Wir haben die letzten Spiele schon gut gespielt und sind dafür aber nicht belohnt worden», sagte Kapitän Michael Wolf.

In der Tat vollbrachte die DEB-Auswahl nach dem Kanada-Debakel eine erstaunliche Wende. Gegen die Schweiz verlor das Team in einem insgesamt noch einmal schwachen Spiel unglücklich mit 0:1. Darüber waren die Spieler anscheinend so frustriert, dass sie Unstimmigkeiten über das bis dahin schwache Überzahlspiel öffentlich austrugen.

Eine interne Sitzung sorgte für die Wende. «Wir haben uns einfach zusammengesetzt, haben uns ausgesprochen, jeder hat mal untereinander gesagt, was vielleicht anders gemacht werden soll», berichtete Plachta vor dem Lettland-Spiel. Es half. Gegen den Titel-Anwärter Schweden hatte die Cortina-Auswahl beim erneut unglücklichen 3:4 kurz vor der Sensation gestanden, war aber nicht belohnt worden.

«Vielleicht wiegt das heute die Punkte auf, die wir in den Spielen davor nicht geholt haben», meinte Cortina, der es sichtlich genoss, dass auch das Überzahlspiel inzwischen funktioniert. Gegen Schweden und Lettland war das deutsche Team jeweils im Powerplay erfolgreich.

«Aber wir sind noch nicht am Ende. Wir glauben noch an das Viertelfinale», bekräftigte er. Dafür sind weitere Punkte gegen Tschechien und gegen Österreich notwendig. Sollte der erstmalige Sprung unter die besten Acht der WM seit 2011 tatsächlich noch gelingen, dürfte die Genugtuung Cortinas weiter zunehmen. Dessen Vertrag läuft nach der WM aus, dem Vernehmen nach will DEB-Präsident Franz Reindl ihn wegen der Misserfolge in Cortinas ersten beiden Jahren als Bundestrainer nicht verlängern. Bei einer überraschenden Viertelfinal-Teilnahme des bei dieser WM durch etliche Absagen arg dezimierten Teams würde Reindl dann in Erklärungsnot geraten.