Deutsches WM-Debakel in Prag: 0:10 gegen Kanada

Nach der 0:10-Blamage gegen Kanadas Eishockey-Weltstars war der wichtige deutsche WM-Auftaktsieg schon 24 Stunden später wieder vergessen.

Deutsches WM-Debakel in Prag: 0:10 gegen Kanada
Filip Singer Deutsches WM-Debakel in Prag: 0:10 gegen Kanada

Der 24-malige Weltmeister um Superstar Sidney Crosby deklassierte das Team von Bundestrainer Pat Cortina regelgerecht und bestrafte beim 10:0 (4:0, 5:0, 1:0) jeden noch so kleinen Fehler eiskalt. Zum davor letzten Mal hatte Deutschland vor drei Jahren in Stockholm bei einer WM zweistellig verloren. Damals setzte es ein 4:12 gegen Norwegen.

Den Torreigen für den Topfavoriten eröffnete Crosby selbst in der neunten Minute, als er bei einem Konter gegen Deutschlands Nummer eins Dennis Endras eiskalt verwandelte. Die weiteren Tore für die NHL-Stars besorgten Edmontons Taylor Hall (9./23./40.), Cody Eakin aus Dallas (17./20.), Floridas Aaron Ekblad (25.), Philadelphias Claude Giroux (28.), Tyler Ennis aus Buffalo (36.) und Colorados Matt Duchene (43.) per Penalty.

Noch am Abend zuvor war der Jubel bei der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) groß gewesen, als Patrick Reimer 59 Sekunden vor dem Ende den erlösenden 2:1-Siegtreffer gegen Frankreich erzielt hatte. Durch den späten Siegtreffer sicherte sich die durch 22 WM-Absagen stark geschwächte DEB-Auswahl gleich zu Beginn gegen einen vermeintlichen Gegner auf Augenhöhe drei wichtige Punkte. «Das war extrem wichtig für uns alle, auch für unseren Kopf», hatte Kapitän Michael Wolf gesagt. Davon war am Sonntag indes kaum etwas zu sehen.

Das deutsche Team bekam brutal vorgeführt, wie eiskalt jeder kleinere Fehler auf dem Top-Niveau ausgenutzt wird. Bis zur Führung des Titelfavoriten spielte Deutschland forsch mit und hatte sogar durch Mannheims Kai Hospelt die erste Chance nach wenigen Sekunden. Im Gegensatz zu Kanada nutzte das DEB-Team seine Chancen aber selbst in Überzahl nicht. Hinzu kamen etliche individuelle Fehler.

Vor Crosbys 1:0 spielte der aufgrund der Absagenflut nachnominierte Patrick Köppchen Colorados Ryan O'Reilly den Puck in den Schläger. Beim zweiten kanadischen Tor nur kurz darauf zeigte Endras eine seiner wenigen Schwächen. Überraschend hatte Cortina dem Mannheimer Meistergoalie nur 24 Stunden nach seiner überragenden Leistung gegen Frankreich erneut das Vertrauen geschenkt. Üblich ist, dass wegen der hohen mentalen Belastung speziell für Torhüter bei zwei Spielen binnen 24 Stunden auch zwei verschiedene Goalies zum Einsatz kommen.

Nach dem 0:6 zu Beginn des zweiten Drittels ließ sich Endras dann entnervt auswechseln, Kölns Danny aus den Birken musste die weiteren Treffer über sich ergehen lassen. Eigentlich tat Kanada nicht mehr als nötig, wurde vom DEB-Team aber zum Toreschießen eingeladen. Kanadas drittes Tor legte Björn Krupp, Sohn des früheren Bundestrainers Uwe Krupp, dem Torschützen Eakin mit einem üblen Fehler auf. Beim 0:4 patzte Moritz Müller. Erst die weiteren Treffer resultierte aus Einzelleistungen der kanadischen Ausnahmekünstler.

Bereits am Samstag war Bundestrainer Cortina trotz des wichtigen Sieges unzufrieden gewesen. Die Probleme erklärte Cortina auch mit den vielen Absagen. «Wir sind noch nicht lange zusammen. Das braucht Zeit», meinte der 50-Jährige. Nun hat Cortina erst einmal einen Tag Pause. Nächstes deutsches Spiel ist am Dienstag gegen die Schweiz.