Premiere für Anne-Frank-Stück in Hamburg

Das Tagebuch der Anne Frank» jetzt auch das Publikum in Deutschland erobern.

In der Grachtenstadt, wo sich das jüdische Mädchen Anne Frank mit seiner Familie im Zweiten Weltkrieg in einem Hinterhaus vor den Nazis verstecken muss, läuft das Stück seit mehr als einem Jahr in einem eigens dafür errichteten Theater. Die deutschsprachige Erstaufführung feierte am Donnerstagabend am Hamburger Ernst Deutsch Theater Premiere.

In das Hamburger Privattheater kam auch das Schriftstellerpaar Leon de Winter und Jessica Durlacher. Die beiden niederländischen Erfolgsautoren haben das Stück über die mehr als zwei Jahre im Versteck in der Prinsengracht verfasst, wo sich neben Anne Frank (1929-1945), ihrer Schwester und ihren Eltern vier weitere Menschen auf engstem Raum aufhielten. Für die zweieinhalbstündige Aufführung, die in Hamburg Yves Jansen in Szene setzte, gab es am Ende Beifall und - vereinzelt - Bravorufe.

Gefeiert wurde Hauptdarstellerin Kristin Suckow: Die Schauspielerin, Jahrgang 1989, überzeugte als Anne Frank, für die als 13-Jährige das Leben im Untergrund begann. Suckow zeigt eine aufgeweckte und aufmüpfige Anne, die sich nicht einengen lassen will - nicht vom Versteck, nicht von den Erwachsenen. Das rot-weiß karierte Tagebuch, das sie zum 13. Geburtstag geschenkt bekam, hilft ihr dabei. «Zum Glück kann ich alle meine Gedanken und Gefühle aufschreiben, sonst würde ich komplett ersticken.» 

Die Amsterdamer Inszenierung an der eigenen Spielstätte ergänzt das Geschehen - vor einem hochgelobten Bühnenbild - mit Kriegsszenen in schwarz-weißen Originalaufnahmen auf Großleinwänden. Am Ernst Deutsch Theater fällt das alles eine Nummer kleiner aus: Keine Multimediaeffekte, mehr Kammerspiel - alles konzentriert sich auf das Geschehen im Hinterhaus. Dort wird gelacht, gestritten und geliebt.

Hauptsächlich wird das weltweit Bekannte aus Annes Tagebuch nacherzählt. Ergänzt wird dies lediglich von einer Traumsequenz, mit der die Aufführung auch beginnt: Anne ist Schriftstellerin und lebt in Paris. Sie begegnet dem Verleger Peter Schiff - wie ihre «wahre Liebe» hieß - und taucht mit ihm in Form einer geschickten Rahmenhandlung immer wieder in die Zeit im Hinterhaus ein. 

«Wir zeigen, wie sie sich vorgestellt hat zu leben, aber nicht leben durfte», erklären die Autoren, die im Programmheft auch auf die Flüchtlingsproblematik eingehen: «Immer wenn Menschen aus ethnischen oder religiösen Gründen verfolgt werden, gibt es zweifellos Ähnlichkeiten mit dem Schicksal der Familie Frank.»