Presseecho: «Nicht das Ende des Krieges gegen Fanatiker»

Die Terrorwelle in Frankreich beschäftigt international die Zeitungskommentatoren. Eine Auswahl der Stimmen vom Wochenende:

Presseecho: «Nicht das Ende des Krieges gegen Fanatiker»
Sara Houlison Presseecho: «Nicht das Ende des Krieges gegen Fanatiker»

FRANKREICH

Die Tageszeitung «Le Monde» kommentiert: «Die Solidarität zahlreicher führender Politiker aus Europa, die sich am Sonntag in Paris an der Seite von Präsident (François) Hollande und seines Vorgängers Nicolas Sarkozy versammeln, hat eine historische Dimension. Die Politiker vertreten den Kontinent Europa, der sich in dieser schweren Prüfung zusammenschließt, um seine Werte der Freiheit und der Toleranz zu bekräftigen.»

Die Zeitung «Dernières Nouvellesd'Alsace» (Straßburg) schreibt: «Überall hört man, «Wir sind Charlie». Aber für wie lange? In diesen dunklen Stunden sind unsere Gefühle der Solidarität Ausdruck unserer Menschlichkeit. Doch dieser unerwartete und willkommene nationale Zusammenschluss darf nicht darauf beschränkt bleiben, uns ein gutes Gewissen zu geben. Er darf kein flüchtiger Verband für ein tieferliegendes Unbehagen sein.»

Der konservative «Le Figaro» schreibt: «Das Ende dieser Geiselnahmen bedeutet nicht das Ende des Krieges gegen Fanatiker. Es müssen alle Lehren aus diesen dramatischen Stunden gezogen werden. Man muss die Realität erkennen: «Allahu akbar» rufende Islamisten wollen unser Land zugrunde richten.»

SCHWEIZ

Die «Neue Zürcher Zeitung am Sonntag» kommentiert: «Erneut ist manifest geworden, dass in einigen Staaten Europas Parallelgesellschaften entstanden sind, die eine Brutstätte des Extremismus darstellen. Es handelt sich meist, aber nicht ausschließlich, um Migranten aus islamischen Ländern. (...) In allen Fällen liegen alle Indizien einer gescheiterten Integration vor: Wohnghettos, hohe Arbeitslosigkeit, geringer Schulerfolg, hohe Kriminalität, Abhängigkeit vom Sozialstaat. Nur mittels einer Integration lässt sich das Reservoir der Frustrierten austrocknen, die im islamistischen Extremismus ihre Erfüllung finden.»

GROSSBRITANNIEN

Der britische «Independent» bezeichnet die Nachrichtendienste als beste Vorbeugung: «Wir sollen übereilte politische Reaktionen unmittelbar nach schrecklichen Terrormorden vermeiden. Andererseits sollten wir den verborgenen Bedrohungen nachspüren, wenn die Wasseroberfläche ruhig erscheint. (...) Es geht darum, diese meist jungen Männer zu verstehen, deren Ziel es ist, andere Menschen zu töten. So kann man Bedrohungen am besten vorbeugen und uns vor ihnen schützen.» 

ÖSTERREICH

Die Wiener Tageszeitung «Der Standard» schreibt: «Frontisten-Chefin Marine Le Pen reagierte wie immer als eine der Ersten und verlangt einmal mehr die Wiedereinführung der Todesstrafe sowie eine Einwanderungsbremse. (...) Die Todesstrafe wird selbsternannte islamistische Märtyrer gewiss nicht abhalten. Und die jüngsten Banlieue-Terroristen sind in Frankreich geboren, woran ein sofortiger Immigrationsstopp nichts ändern würde. Wichtiger wird es sein, dass die französische Regierung die neue Solidaritäts- in eine Aufbruchsstimmung zu verwandeln vermag.»