Preuß holt sich WM-Silber im Massenstart - Männer patzen

Franziska Preuß wähnte sich nach ihrem Coup von Kontiolahti wie in einem Traum. Die 21-Jährige lief bei der Biathlon-WM in Finnland im Massenstart zu Silber und sicherte sich nach Staffel-Gold die erste große Einzelmedaille ihrer noch jungen Karriere.

Preuß holt sich WM-Silber im Massenstart - Männer patzen
Ralf Hirschberger Preuß holt sich WM-Silber im Massenstart - Männer patzen

«Ich hätte da nie gedacht, dass es klappt. Eine Einzelmedaille schien unerreichbar. Das ist grandios, es ist wie ein Traum, den man gar nicht glauben kann», sagte Preuß am Sonntag in der ARD - immer noch ein bisschen ungläubig angesichts ihres großen Erfolges.

Die Herren verpassten eine Medaille im Massenstart. Einen Tag nach Gold in der Staffel wurde Simon Schempp als bester des Quartetts Achter. Beim Sieg des Slowenen Jakov Fak hatte der 27-Jährige nach den 15 Kilometern und zwei Fehlern einen Rückstand von 25,6 Sekunden. Zweiter wurde der Tscheche Ondrej Moravec vor Tarjei Bø aus Norwegen. Benedikt Doll wurde 16., Verfolgungsweltmeister Erik Lesser 17. und Arnd Peiffer kam als 22. ins Ziel.

Erst den 19. ihrer 20 Schüsse setzte Preuß, die einst zu ihrem 15. Geburtstag von ihren Eltern einen Gutschein für das Biathlon-Camp von Fritz Fischer erhalten hatte, bei strahlendem Sonnenschein an der «Bärenbucht» daneben. Hätte sie alles getroffen, hätte es sogar sensationell zu Gold gereicht. Doch diese Rechnung machte Preuß gar nicht erst auf: «Ich genieße den Moment, es ist unfassbar.» Als sie ins Ziel lief, fielen sich Bundestrainer Gerald Hönig und sein Männer-Kollege Mark Kirchner jubelnd in die Arme.

So sicherte sich die Ukrainerin Walj Semerenko 6,2 Sekunden vor der jüngsten Deutschen den Titel in diesem spektakulären Rennen. Bronze ging an die Italienerin Karin Oberhofer. Die Südtirolerin fing auf der Zielgeraden noch Titelverteidigerin Darja Domratschewa aus Weißrussland ab.

Vor einem Jahr war Preuß noch das Sinnbild für das medaillenlose Desaster bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi gewesen. Einen Tag nach dem öffentlich gewordenen Dopingfall von Evi Sachenbacher-Stehle war sie als Staffel-Startläuferin gestürzt, brach sich den Stock und musste Schnee aus ihrem Gewehr pusten. Ihre Tränen nach Rang elf sah die ganze Welt. Ein Jahr später macht sie mit ihren Teamkolleginnen Hoffnung auf die Rückkehr zu alten Erfolgen.

Franziska Hildebrand wurde Sechste (0/+ 31,7 Sekunden) direkt vor Laura Dahlmeier (2/+ 39;9 Sekunden). Nach Gold in der Staffel und Silber durch Dahlmeier in der Verfolgung war es die dritte Medaille für das Damen-Team.

Während Preuß sich die erste Einzelmedaille ihre Karriere auf dem Sierpodest abholen konnte, war Franziska Hildebrand am Boden zerstört. Obwohl sie fehlerfrei geblieben war, hatte sie mit der Entscheidung nichts zu tun. Denn beim Herauslaufen nach dem dritten Schießen riss an ihrem rechten Stock die Schlaufe, sie verlor den Stock. Zwar bekam sie noch im Stadion Ersatz, aber den passenden Stock konnte ihr Männer-Coach Andi Stitzl erst später reichen. Vielleicht auch wegen dieses Missgeschicks hatte die sichere Schützin dann Probleme am Schießstand und verlor dort Zeit.

Angesichts dieser Enttäuschung verkroch sich Hildebrand nach dem Zieleinlauf direkt in der Wachskabine, um allein zu sein. Bei der Siegerehrung verbarg sie ihre bitteren Tränen hinter ihrer Sonnenbrille. «Es tut mir unheimlich leid für sie, sie hätte eine Medaille verdient», sagte ARD-Fernsehexpertin Kati Wilhelm.

Laura Dahlmeier, die mit Verfolgungs-Silber und Staffel-Gold ebenfalls zwei Medaillen bei ihrer ersten vollständigen WM einheimste, nahm ihren siebten Platz nach zwei Strafrunden indes gelassen: «Ich habe um jeden Schuss gekämpft. Auch das Laufen war etwas zäh. Man merkt, dass die WM und die Saison zu Ende geht. Aber ich freue mich wahnsinnig für Franzi. Sie hat es total verdient.»