Profiboxer Manuel Charr niedergeschossen und schwer verletzt

Der Kölner Profiboxer Manuel Charr ist in der Nacht zum Mittwoch in Essen niedergeschossen und schwer verletzt worden. Der Täter befinde sich auf der Flucht. Das Opfer sei nach einer Notoperation außer Lebensgefahr, sagte ein Polizeisprecher.

Nach Angaben von Staatsanwältin Birgit Jürgens fahnden die Ermittler nach einem namentlich bekannten Verdächtigen. Angaben zum Gesuchten wolle man derzeit aber nicht machen. Ermittler hätten auch mit dem Opfer sprechen können: Der 30-Jährige habe Beleidigungen als Tatmotiv genannt.

Der Schuss sei gegen 0.45 Uhr in einem Imbiss gefallen, berichtete die Polizei Essen. Sie richtete eine Mordkommission ein. Die Kugel traf den 30 Jahre alten Charr Fotos vom Tatort zufolge in den Bauch.

Charrs Agent Peter Gleim bestätigte in Liechtenstein, dass es sich beim Opfer um den deutsch-libanesischen Profi-Boxer handelt, wie die «Bild»-Zeitung berichtet hatte. Der Täter sei in den Imbiss gestürmt, habe sofort geschossen und sei wieder verschwunden. Nach Polizeiangaben ist der Tathergang noch unklar. Es sei nur ein Schuss gefallen, die Tatwaffe sei verschwunden.

Nach einem Tipp stürmte ein Spezialeinsatzkommando Stunden später unweit des Tatorts eine Essener Wohnung, in der sich der Schütze versteckt halten sollte. Dabei sei eine Frau, die sich in der Wohnung aufhielt, in Ohnmacht gefallen, sagte ein Polizeisprecher. Der Verdächtige sei aber nicht mehr in der Wohnung gewesen.

Der Kölner Schwergewichtler hatte vor wenigen Tagen in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny einen Kampf gegen den Letten Mairis Briedis verloren. Nach einem Treffer ging er in der fünften Runde zu Boden und schien vorübergehend bewusstlos. Es war seine dritte Niederlage als Profiboxer.

Ende Mai in Moskau musste er gegen den Russen Alexander Powetkin die zweite Niederlage in einem Profikampf einstecken. Die erste hatte der Deutsch-Libanese am 8. Oktober 2012 ebenfalls in Moskau gegen den damaligen WBC-Weltmeister Vitali Klitschko aus der Ukraine kassiert.

Danach war er 2013 einem breiteren Publikum außerhalb der Boxsportgemeinde durch seinen TV-Auftritt bei «Promi Big Brother» bekanntgeworden. Charrs Facebook-Seite hatten bis zum frühen Mittwochnachmittag fast 486 000 Menschen mit «Gefällt mir» bewertet.

Für Verwirrung sorgte der Rapper Kay One. Er hatte ein Video von Charr aus einer Essener Bar gepostet, das offenbar kurz vor der Tat aufgenommen worden war. Er selbst sei aber nicht in Nordrhein-Westfalen gewesen, teilte der Musiker später via Facebook mit: «Hab gerade gelesen was heute Nacht passiert ist. Bin gerade Hardcore geschockt.. Manuel hatte mich gebeten das Video für ihn zu posten.»

Agent Gleim sagte, Charr stamme aus Gelsenkirchen und habe im Ruhrgebiet viele Freunde. Manchmal trainiere er auch in Essen.