Prognosen: Irische Regierungskoalition abgewählt

In der irischen Parlamentswahl hat die Mitte-Links- Koalition von Ministerpräsident Enda Kenny nach ersten Prognosen ihre Mehrheit verloren.

Prognosen: Irische Regierungskoalition abgewählt
Aidan Crawley Prognosen: Irische Regierungskoalition abgewählt

Sowohl Fine Gael als auch Labour sind in den Nachwahlbefragungen im Auftrag der «Irish Times» und des Senders RTÉ in der Wählergunst abgestürzt und können nicht gemeinsam weiterregieren.

Zugelegt haben die größte Oppositionspartei Fianna Fáil, Sinn Fein und kleine Parteien. «Es ist ein sehr enttäuschender Tag aus Sicht der Regierung», sagte Fine-Gael-Generalsekretär Tom Curren.

Wegen des komplizierten irischen Wahlsystems dürfte sich die Auszählung bis mindestens Sonntagnachmittag hinziehen. Analysten gehen aber davon aus, dass eine Koalition der beiden größten Parteien, Fine Gael und Fianna Fáil, die einzige Alternative zu Neuwahlen darstellen könnte. Es wäre die erste große Koalition in der Geschichte der Republik. Die beiden Parteien sind sich politisch zwar nahe, aber historisch verfeindet.

Nach Zahlen des Marktforschungsinstituts Ipsos MRBI rutschte Fine Gael im Vergleich zur Wahl 2011 um zehn Punkte von 36,1 auf 26,1 Prozent ab, wäre aber weiter stärkste Kraft. Labour stürzte sogar von 19,5 Prozent auf nur noch 7,8 Prozent. Die liberal-konservativen Partei Fianna Fáil legte nach Angaben der «Irish Times» deutlich zu. Sinn Féin, die früher als politischer Arm der IRA galt, habe Stimmen gewonnen.

Das Marktforschungsinstitut Behaviour and Attitudes kam zu ähnlichen Ergebnissen. Es sieht Fine Gael sogar nur noch bei 24,8 Prozent, Labour bei 7,1 Prozent. Auch die Zugewinne für Fianna Fáil und Sinn Féin bestätigt die Befragung im RTÉ-Auftrag. Die Wahlbeteiligung lag den Umfragen zufolge etwa bei 65 Prozent.

Der Wahlkampf hatte sich um den Sparkurs der Regierung und wirtschaftliche Stabilität und Aufschwung, aber auch um Bandenkriminalität in Dublin. Ein wichtiges Thema im Wahlkampf war etwa die Einführung von Wassergebühren, gegen die Zehntausende protestiert hatten.