Promis, Babys und das Netz

In Kellys Vorfreude auf die nahe Geburt ihrer Tochter mischte sich plötzlich ein Wermutstropfen: «Leider habe ich gerade erfahren, dass mein Krankenhaus nicht das Filmen der Geburt erlaubt. Tut mir so leid», schrieb sie an ihre Freunde.

Promis, Babys und das Netz
Paul Buck Promis, Babys und das Netz

Die junge New Yorkerin hatte das Video nicht etwa für sich haben wollen, sie wollte es für alle auf Facebook posten. Manche Geburten - vor allem in den USA - sind inzwischen eine ziemlich öffentliche Veranstaltung. Und viele Prominente machen es vor. Andere Promis machen das genaue Gegenteil - und halten das Private privat.

So erinnerte das, was Robbie Williams in den letzten Tagen machte, fast an einen Liveticker. Immer wieder schickte er Nachrichten per Twitter an die Fans und sogar ein Video, in dem er bei seiner in den Wehen liegenden Frau «Let It Go» singt - was man hier prima mit «Lass' es raus!» übersetzen könnte. Später twitterte er: «Wir wurden mit einem wunderschönen Jungen gesegnet.» Wann und wo sich die Geburt abspielte, blieb allerdings das Geheimnis des Paares. Williams hatte im April bekanntgegeben, dass seine Tochter Theodora Rose (2) bald eine große Schwester sein werde.

Beyoncé Knowles liebt den großen Auftritt, und so war es auch mit ihrer Schwangerschaft, die sie sorgsam verbarg - bis zu den MTV Video Music Awards 2011. Da drehte sie sich nach einer furiosen Tanzdarbietung ins Profil und zeigte aller Welt den Ansatz ihres Babybauchs. Die Geburt selbst sollte dann allerdings so privat sein, dass die damals 30-Jährige und Ehemann Jay-Z eine ganze Etage eines New Yorker Krankenhauses mieteten. Als die kleine Blue Ivy auf der Welt war, gab es zunächst keine Bestätigung.

Einen Monat später veröffentlichte das Paar dann Bilder von dem kleinen Mädchen. «Wir laden Euch ein, an unserer Freude teilzuhaben», schrieben sie dazu. «Danke, dass Ihr unsere Privatsphäre respektiert habt während dieser wundervollen Zeit.»

Die Bilder gab es einfach so, für alle, im Internet. Das ist bei Promis allerdings ungewöhnlich. Und nicht immer ist es der Wunsch nach Privatsphäre, wenn das Neugeborene erstmal nicht zu sehen ist. Manchmal steckt ein handfester Exklusivvertrag dahinter, und die ersten Babybilder sind eine Handelsware mit Millionenwert. So sollen im August 2008 die ersten Bilder von Vivienne und Knox, den Zwillingen von Brad Pitt und Angelina Jolie, 14 Millionen Dollar (damals neun Millionen Euro) gekostet haben. Immerhin: Das Geld sollte in eine Stiftung fließen.

Manche halten die Öffentlichkeit kurz. Reese Witherspoon war mit ihrem Kind schon im siebten Monat schwanger, als sie nebenbei erwähnte: «Ich werde eine kleine Auszeit nehmen.» Kurze Pause. «Ich bekomme ein Baby.» Drew Barrymore wurde zwar mit einem Ultraschallbild in der Hand fotografiert, sagte aber kein Wort über eine Schwangerschaft. Erst als das Kind schon Wochen alt war, gab es eine knappe Mitteilung. Mehr nicht. Auch Uma Thurman geizte zwar nicht mit Vornamen für ihr Kind, aber mit Informationen für die Öffentlichkeit. Der Name ihrer Tochter wurde erst drei Monate nach der Geburt bekannt: Rosalind Arusha Arkadina Altalune Florence Thurman-Busson. Gerufen wird sie Luna.

Die Kardashians, die ihr ganzes Leben gewinnbringend vermarkten, sind da das Gegenteil. Kim, Hauptdarstellerin in der vielleicht erfolgreichsten Dokusoap der Welt, zeigte nicht nur die Heirat mit einem Sportler in jedem Detail - und die 72 Tage später beantragte Scheidung. Auch die Schwangerschaft mit Tochter North war ein echter Quotenhit. Noch öffentlicher war Schwester Kourtney, die gleich zweimal die Kameras mit ins Krankenhaus nahm.

US-TV-Star Bethenny Frankel ging sogar noch weiter und nahm das Fernsehteam mit in den Kreißsaal, allerdings ein paar Tage vor der Geburt. Die kleine Tochter war damit aber gewissermaßen schon im Rampenlicht, bevor sie selbst das Licht der Welt erblickte. Anschließend gab die Mutter Ratschläge wie: «Babytücher sind toll! Für den Babypo, gegen Make-up, zum Abwischen des Küchentisches oder der Hände am Flughafen, einfach für alles.» Oder auch: «Wenn Kinder Schreikrämpfe kriegen, greifen einige Eltern zu Bonbons oder Spielzeug. Ich verhandle nicht mit Terroristen!» Diese Art von Omnipräsenz zahlt sich aus: Mehrfach hat es die 43-Jährige auf die Forbes-Liste der 100 wichtigsten Prominenten gebracht.