Promis, Preise, Politik - Routine bestimmt Emmy-Vergabe

Hätten sich die Macher der 68. Emmy Awards ein Motto gegeben, es hätte gelautet: «Einmal wie immer, aber mit einer Prise Politik!» Die Film- und Fernsehstars im Microsoft Theater in Los Angeles und die Zuschauer daheim sahen am Sonntagabend eine nett-routinierte Preisverleihung, bei der es in vielen Kategorien die gleichen Sieger wie im Vorjahr gab.

Promis, Preise, Politik - Routine bestimmt Emmy-Vergabe
Mike Nelson Promis, Preise, Politik - Routine bestimmt Emmy-Vergabe

Unterhaltung boten angenehm prägnante Dankesreden, Seitenhiebe auf Donald Trump und kurzweilige Kabbeleien von Moderator Jimmy Kimmel mit Gaststars wie Matt Damon.

Zunächst zu den Preisträgern: «Game of Thrones» räumte bei den Dramaserien ab, wenn auch nicht unbedingt in den 27 am Sonntagabend bekanntgegebenen Kategorien. Bereits vorab waren Dutzende weitere Preisträger veröffentlicht worden. Zu drei Emmys vom Sonntag - darunter die Königskategorie beste Dramaserie - kommen so neun weitere hinzu. Mit zwölf Auszeichnungen führte die in Deutschland bei Sky Atlantic HD und RTL 2 laufende Fantasy-Buchverfilmung auch dieses Jahr wieder das Feld an.

Als beste Comedy gewann die Politsatire «Veep» den zweiten Serien-Hauptpreis. Julia Louis-Dreyfus spielt darin die überforderte Präsidentin Selina Meyer. Die einst mit «Seinfeld» berühmt gewordene Schauspielerin hat inzwischen ein Abo auf den Preis als beste Hauptdarstellerin einer Comedy: Sie gewann zum fünften Mal in Folge. Ihre Rede nutzte sie für einen berührenden Dank an ihren am Freitag zuvor gestorbenen Vater - und als ironische Steilvorlage. «Unsere Serie hat als Politsatire begonnen und sich in eine Dokumentation verwandelt», sagte sie in Anspielung auf Donald Trumps Wahlkampf. 

Auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten nahmen gleich mehrere Stars Bezug. «Wenn es das Fernsehen nicht gäbe, wäre Donald Trump überhaupt nicht nominiert», sagte Moderator Jimmy Kimmel. Er meinte damit die Reality-Show «The Apprentice», die dem 70-jährigen Immobilienunternehmer einst zu Ruhm verholfen hatte. Doch Zweifel daran, wem die Sympathien der versammelten Fernseh- und Film-Prominenz gehören, gab es keine. Courtney B. Vance aus «The People v. O.J. Simpson» brachte es am Ende seiner Dankesrede auf eine simple Formel: «Obama raus! Hillary rein!» 

Auch die vielen Preise für Vances Serie bewiesen, dass der straff getaktete dreistündige Abend außergewöhnlich stark von Politik und Zeitgeschehen geprägt war. Mit neun Auszeichnungen lag die Aufbereitung des Mordprozesses um den Footballer O.J. Simpson hinter «Game of Thrones» in der Endauswertung auf Rang zwei. Das lässt sich genauso als politisches Zeichen deuten, wie viele nicht-weiße oder nicht-amerikanische Präsentatoren, Nominierte und ihre Rollen.

Der wie im Vorjahr für «Transparent» ausgezeichnete Hauptdarsteller Jeffrey Tambor hoffte, der letzte Mann zu sein, der Preise für die Darstellung einer transsexuellen Frau gewinnt - künftig sollten den Kreativen der Trans-Community mehr Chancen gegeben werden, fand er. Drei Preise für die Amazon-Serie dürften ohnehin als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Entertainmentindustrie auf TV- und Computer-Bildschirmen mutiger ist als bei Werken fürs Kino.

Auch Rami Malek, US-Amerikaner mit ägyptischen Wurzeln, der für seine Rolle als Hacker Elliot Aldersson in «Mr. Robot» ausgezeichnet wurde, wünschte sich mehr Aufmerksamkeit für Menschen am Rand. Er warb in seiner Dankesrede um mehr Wohlwollen für gesellschaftliche Außenseiter wie seine Serienfigur einer ist. Schauspieler Aziz Ansari wurde für das Drehbuch der hippen Dating- und Ethno-Comedy «Master of None» auf Netflix ausgezeichnet. Sein Ko-Autor riet asiatischen Eltern: «Gebt Euren Kindern Kameras statt Geigen, dann wären wir alle gerettet.»

Bleibt noch ein Blick auf Preisträger diesseits des Atlantiks: Die deutsche Preishoffnung Heidi Klum ging mit ihrer Reality-Show «Project Runway» zwar leer aus, aber für europäische Programmmacher sah es etwas besser aus. Klum unterlag «The Voice», immerhin erfunden vom Niederländer John de Mol.

Die Britin Maggie Smith gewann als beste Nebendarstellerin in «Downton Abbey», die Reihe «Last Week Tonight» ihres Landsmanns John Oliver wurde mit dem Preis als beste Unterhaltungs-Talkshow bedacht. Eine Folge der englischen Krimireihe «Sherlock» gewann den Preis als bester Fernsehfilm des Jahres, und die Dänin Susanne Bier siegte mit der besten Regie in einer Miniserie.