Prosit Neujahr am westlichen Pazifik

Selbst gemachte Böller auf Samoa, Riesenfeuerwerk in Sydney: Am anderen Ende der Welt ist das neue Jahr schon ein paar Stunden alt.

Sydney ließ es wie üblich richtig krachen - sieben Tonnen Feuerwerkskörper wurden verpulvert, 1,6 Millionen Menschen waren vor der malerischen Kulisse des Hafenbecken live dabei.

Die ersten, die das neue Jahr begrüßten, waren um 11.00 Uhr MEZ die rund 200 000 Menschen im Pazifik-Staat Samoa und der Line-Inseln Kiribatis. Auf Samoa wird zwar wie in Europa mit Neujahrsbällen und Privatpartys gefeiert. In ländlichen Regionen sind aber keine Knallkörper und Tischfeuerwerk gefragt, sondern faga'ofe, selbst gemachte Kanonen aus zwei Meter langen Bambusstöcken. Sie werden mit Kerosin gefüllt und erhitzt. Nachbarn halten Wettbewerbe ab, wer am lautesten feuern kann.

Sowohl Samoa als auch die Line-Inseln liegen nach geografischen Gesichtspunkten eigentlich beide jenseits der internationalen Datumsgrenze und dürften demnach erst nach den Amerikanern als letzte auf dem Globus Neujahr feiern. Sie haben sich aber beide über die Datumsgrenze hinweggesetzt, die Line-Inseln schon 1995. Sie waren bis dahin durch die Datumsgrenze vom Rest des Landes abgetrennt.

Samoa ließ 2011 den 30. Dezember ausfallen. Das ganze Land stellte die Uhren 24 Stunden vor. Der Grund: Samoa hat enge Beziehungen zu Australien und Neuseeland und wollte in derselben Datums- und Zeitzone wie die Handelspartner agieren.

Die größte neuseeländische Stadt Auckland bot ihren 1,5 Millionen Einwohnern in der Silvesternacht Strand-Ambiente mitten in der Stadt: vier Tonnen Sand wurden dort ausgeschüttet. Um kurz vor Mitternacht (12.00 Uhr MEZ) lief auf einem riesigen Display am 328 Meter hohen Sky-Turm der Countdown. Nach heftigen Regenfällen mit Überschwemmungen in den vergangenen Tagen spielte gerade rechtzeitig zum Feiern auch das Wetter mit: es gab laue Sommertemperaturen. Auf der Südhalbkugel fällt der Jahreswechsel in den Sommer.

Zwei Stunden später hob ein ohrenbetäubender Chor von 1,6 Millionen Zuschauern am Hafen von Sydney zum gemeinsamen Countdown an. Um Punkt Mitternacht startete ein zwölfminütiges Feuerwerk für insgesamt 6,8 Millionen australische Dollar (4,4 Millionen Euro). Nach Schätzungern der Veranstalter verfolgte eine Milliarde Zuschauer das Feuerwerk im Fersehen. Live dabei war hingegen das Rentnerpaar Dorothy Humphries (90) und ihr Mann Alf (92). «So viele Menschen habe ich hier noch nie gesehen», sagte sie, und zog sich aus dem Gedränge auf eine hintere Parkbank zurück. «Früher konnte man einfach abends vorbeikommen und bekam problemlos einen Platz mit guter Sicht.»

Viele Menschen hatten sich ihre Plätze schon am Abend zuvor gesichert und verteidigten ihr Areal auf den besten Rasenflächen mit Decken und Kühltaschen. «Ich wusste nicht, dass man ganz früh kommen muss», meinte Tiono Said aus Indonesien. «Jetzt müssen wir wohl die ganze Nacht stehen.» Die amerikanischen Studentinnen Meg, Lucinda und Beth hatten sich vor Monaten Eintrittskarten für einen Platz im Luna-Park am Nordpfeiler der Hafenbrücke gesichert, wie sie berichteten. Umgerechnet kostete das 65 Euro.

Indes warnten Behörden in der Hauptstadt der streng islamischen indonesischen Provinz Aceh am Dienstag die Bewohner davor, auf der Straße Silvesterpartys zu feiern. Dies sei eine Sünde.