Proteste und Jubel: Dirigent Gergijew in München

Der bei Menschenrechtlern und Homosexuellen-Aktivisten in die Kritik geratene russische Dirigent Waleri Gergijew hat am Mittwochabend in der Münchner Philharmonie ein umjubeltes Konzert gegeben.

Proteste und Jubel: Dirigent Gergijew in München
Marc Müller Proteste und Jubel: Dirigent Gergijew in München

Der Beifallssturm nach einer Aufführung der selten gespielten Originalfassung von Igor Strawinskys Ballettmusik «Der Feuervogel» stand in scharfem Kontrast zu den Protesten vor Beginn des Konzerts. Gergijew wird ab 2015 neuer Chef der Münchner Philharmoniker.

Mehrere hundert Aktivisten der schwullesbischen Szene hatten vor der Münchner Philharmonie gegen die repressive Homosexuellenpolitik des russischen Präsidenten Wladimir Putin protestiert. Auf Tafeln und Spruchbändern forderten sie unter anderem «Keine falschen Töne für Schwule, Lesben und Transgender». Rita Braaz, die Organisatorin der Kundgebung, appellierte an Gergijew, sich einmal eindeutig gegen «Menschenrechtsverletzungen und Morde an Schwulen in Russland» zu positionieren.

Der künftigen Chefdirigent Münchner Philharmoniker gilt als enger Vertrauter Putins. Ihm war eine zwielichtige Haltung im Streit um ein seit Sommer in Russland gültiges Gesetz vorgeworfen worden, das öffentliche Äußerungen über Homosexualität in Gegenwart Minderjähriger verbietet und angeblich dem Kinderschutz dienen soll.

Der Künstler hatte sich am Dienstag in einer Pressekonferenz von eigenen Äußerungen distanziert, in denen er einen diskriminierenden Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie hergestellt hatte. Wenige Stunden vor dem Konzert versicherte er in einem Brief an Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers erneut, er wolle niemanden diskriminieren und die entsprechenden Regeln der Stadt beachten.

Am Vormittag hatte der Münchner Stadtrat über den Fall beraten. Dabei hatte Küppers gesagt, die Stadt werde trotz der Vorwürfe gegen Gergijew an ihrem künftigen Chefdirigenten festhalten. Proteste gegen Gergijew und Putin hatte es zuvor auch am Rande von Auftritten des Dirigenten in New York, London und Rotterdam gegeben.