Prozessbeginn: Behinderten versteckt und missbraucht

Wochenlang suchte die Polizei im Spreewald nach einem geistig behinderten 14-Jährigen.

Prozessbeginn: Behinderten versteckt und missbraucht
Patrick Pleul Prozessbeginn: Behinderten versteckt und missbraucht

Zweimal waren die Ermittler im Sommer 2014 auch in einer Wohnung eines Mannes aus Lübbenau - und gingen wieder.

Dann erst fanden die Ermittler mehr heraus: Der Mann soll den Jugendlichen die ganze Zeit über bei sich versteckt und sexuell missbraucht haben. Heute beginnt der Prozess gegen den 54-Jährigen vor dem Landgericht Cottbus in Brandenburg.

Es ist bereits die zweite Hauptverhandlung: Der ursprüngliche Prozess platzte im Mai wegen einer längerfristigen Erkrankung eines Richters. Zum damaligen Prozessauftakt im Januar hatte der Angeklagte zugegeben, den Teenager seit Ende 2013 mehrmals missbraucht zu haben. Zudem sagte er aus, dass er den Jugendlichen im Sommer 2014 wochenlang bei sich versteckt hielt, einen Missbrauch stritt er aber ab. Laut Anklage fehlten dem Opfer in der Zeit seines Verschwindens notwendige Medikamente.

Der 14-Jährige war von der Wohnung seiner Eltern in Lübbenau aufgebrochen, aber nicht in seiner Förderschule angekommen. Die Polizei verteilte unter anderem Handzettel in der Stadt, die für ihre Kahnfahrten auf den Spreewald-Fließen bekannt ist.

Die Anklage wirft dem Mann neben Kindesentziehung sexuellen Missbrauch in insgesamt 152 Fällen vor. Er soll sich auch 2012 an seinem damaligen Pflegesohn vergangen haben.

Kennengelernt hatte der Angeklagte den behinderten Jugendlichen über seine Tochter, wie er im ersten Prozess geschildert hatte. Der Junge sei in die Wohnung gekommen, um Computer zu spielen. Das Landgericht hat bislang Verhandlungstermine bis November geplant.