Präsidentschaft in Brasilien wird in Stichwahl entschieden

Bei der Präsidentenwahl in Brasilien muss die Amtsinhaberin Dilma Rousseff überraschend gegen den Kandidaten Aécio Neves von der mitte-rechts stehenden Sozialdemokratischen Partei PSDB antreten.

Präsidentschaft in Brasilien wird in Stichwahl entschieden
Neco Varella Präsidentschaft in Brasilien wird in Stichwahl entschieden

Beide stellen sich am 26. Oktober in einer Stichwahl den Wählern im fünftgrößten Land der Erde. Rousseff von der mitte-links stehenden Arbeiterpartei PT verpasste am Sonntag die für einen Erstrundensieg notwendige absolute Mehrheit.

Nach Auszählung von 99,91 Prozent der Stimmen sicherte sich Rousseff mit 41,6 Prozent zwar klar den ersten Platz. Der eigentliche Gewinner des Wahlsonntags war aber Neves. Der frühere Gouverneur und Senator kam auf überraschend starke 33,6 Prozent und übertraf damit deutlich seine bisherigen Umfragewerte.

Als Verliererin ging die ehemalige Umweltministerin Marina Silva aus der Wahl hervor, die zwar 21,3 Prozent der Stimmen erzielte, ihr Ziel, in die Stichwahl zu kommen, aber klar verfehlte. Dem 54-jährigen Neves war es erst in den vergangenen Tagen gelungen, Silva in den Umfragen zu überholen. Vor seiner Aufholjagd lag er wochenlang auf Platz drei. Er forderte in einer ersten Reaktion, dass nun die Kräfte gebündelt werden müssten. «Wir sind erst auf der Hälfte des Weges.»

Die seit 1. Januar 2011 regierende Rousseff strebt am 26. Oktober eine zweite vierjährige Amtszeit an. Sie sprach am Wahlabend von einem klaren Sieg in der ersten Runde. Der Kampf werden «ganz ohne Zweifel» siegreich sein. Sollte sie als Siegerin aus der Stichwahl hervorgehen, wäre ihre Arbeiterpartei am Ende ihres zweiten Mandats im Jahr 2018 rund 16 Jahre an der Macht. Ihr Mentor und Parteigenosse Lula da Silva hatte von 2003 bis 2010 regiert. Rousseff war im Oktober 2010 als erste Frau in das Amt gewählt worden. Sie hatte in einer Stichwahl mehr als 55 Prozent der Stimmen erhalten.

Rousseffs Herausforderer Neves ist der Enkel des ersten gewählten Präsidenten Brasiliens nach der Militärdiktatur, Tancredo Neves, der aber 1985 kurz vor Amtsantritt gestorben war. Aécio Neves ist vor allem durch seine Amtszeit als Gouverneur (Ministerpräsident) des wirtschaftsstarken Bundesstaates Minas Gerais bekannt, wo er von 2003 bis März 2010 regierte und mit Zustimmungswerten von über 90 Prozent aus dem Amt schied.