Prügelvorwürfe: Prozess gegen «Zwölf Stämme»-Mitglieder

Wegen Prügelvorwürfen steht ein Mitglied der umstrittenen Glaubensgemeinschaft «Zwölf Stämme» von heute an vor dem Amtsgericht im schwäbischen Nördlingen.

Prügelvorwürfe: Prozess gegen «Zwölf Stämme»-Mitglieder
Daniel Karmann Prügelvorwürfe: Prozess gegen «Zwölf Stämme»-Mitglieder

Der 54-Jährige ist zusammen mit zwei weiteren Männern im Alter von 43 und 57 Jahren wegen Misshandlung Schutzbefohlener und gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Den drei Angeklagten wird vorgeworfen, vor einem Jahrzehnt zwei Geschwister mehrfach mit bis zu 1,20 Meter langen Ruten mit Schlägen auf den Hintern gezüchtigt zu haben. Das Verfahren gegen den 54-Jährigen wurde abgetrennt, der Prozess gegen die beiden anderen Männer soll folgen. Bereits in der Vergangenheit gab es einzelne Strafverfahren gegen Mitglieder der Gemeinschaft.

Nun hat die Staatsanwaltschaft weitere Untersuchungen abgeschlossen. Demnach wurde auch eine 55 Jahre alte Lehrerin angeklagt, die sechs Kinder mit Rutenschlägen gezüchtigt haben soll. Dieses Verfahren steht ebenfalls aus.

Im September 2013 hatte die Polizei wegen der Gewaltvorwürfe rund 40 Kinder aus den Gemeinschaften der Sekte im schwäbischen Deiningen und im mittelfränkischen Wörnitz geholt. Die Eltern wehrten sich vor den Familiengerichten gegen die Wegnahme ihrer Töchter und Söhne. Ein Teil dieser Verfahren beschäftigt die Gerichte bis heute. In anderen Fällen durften Kinder zu ihren Familien zurück.

Die Glaubensgemeinschaft «Zwölf Stämme» entstand in den 1970er Jahren in den USA. Als ihre wichtigsten Werte nennen die radikalen Christen Liebe, Ehrfurcht vor Gott, Familie und Freundschaft. Kritiker und Aussteiger allerdings sehen in der Gemeinschaft eine Sekte, die straff hierarchisch organisiert ist.