Putin weist in TV-Show Kritik an seiner Krisenpolitik zurück

Trotz massiver Kritik am Regierungskurs in Krisenzeiten will Kremlchef Wladimir Putin an seiner Politik festhalten.

Putin weist in TV-Show Kritik an seiner Krisenpolitik zurück
Yuri Kochetkov Putin weist in TV-Show Kritik an seiner Krisenpolitik zurück

«Experten glauben, dass wir den Höhepunkt der Krise überwunden haben», sagte der Präsident bei seiner Fernsehsprechstunde «Direkter Draht» am Donnerstag in Moskau. Die russische Wirtschaft habe die Talsohle durchschritten, die Erholung könne innerhalb von zwei Jahren und damit schneller als erwartet eintreten, meinte Putin.

Er räumte ein, dass das Land unter den vom Westen in der Ukraine-Krise gegen Russland verhängten Sanktionen leide. Letztendlich könne die Wirtschaft aber von den Strafmaßnahmen sogar profitieren. «Man muss es als Chance sehen», sagte der Präsident. Putin warf dem Westen vor, die Sanktionen aus politischen Gründen aufrechtzuerhalten. Es gehe der EU und den USA darum, Russland zu schwächen und nicht darum, der Ukraine zu helfen.

Zu der rund vierstündigen Sendung waren mehr als drei Millionen Fragen eingegangen. Bei Live-Schalten in einige Teile des Riesenreiches äußerten Bürger Sorgen etwa über die hohe Inflation. Auf der Baustelle von Russlands neuem Raumfahrtbahnhof Wostotschny posierten Arbeiter, anderenorts waren Weltkriegsveteranen zu sehen.

Putin forderte vom Westen mehr Respekt für die Interessen Russlands. Die USA wollten aber keine Verbündeten. «Als Supergroßmacht brauchen sie Vasallen», sagte er. Washington versuche, der ganzen Welt sein politisches und wirtschaftliches Modell aufzuzwingen. Auch die UdSSR habe dies in Osteuropa versucht - das sei aber ein Fehler gewesen.

Mit Nachdruck wies Putin Vorwürfe des Westens zurück, Russland strebe einen neuen Großmachtstatus an. «Ich will betonen: Wir haben keine Ziele einer Wiedergeburt des Imperiums, bei uns gibt es keine imperialen Ambitionen», sagte der 62-Jährige. Im postsowjetischen Raum sei aber eine Zusammenarbeit nötig, damit sich der Lebensstandard verbessere. Putin hatte den Zerfall der UdSSR einst als größte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts bezeichnet.

Der Kremlchef kritisierte eine Gleichsetzung von Nationalsozialismus und Stalinismus, wie dies Papst Franziskus vor kurzem getan hatte. Ein solcher Vergleich sei schon deswegen unmöglich, weil ein offenes Ziel des Nazismus die Ausrottung etwa von Juden und Slawen gewesen sei. Auch wenn man «die Hässlichkeit der Stalin-Ära» bedenke, habe sich das damalige Regime nie den Völkermord zum Ziel gesetzt.

Im Ukraine-Konflikt warf Putin der Führung in Kiew zahlreiche Fehler vor. Präsident Petro Poroschenko habe gleich mehrere Chancen für eine friedliche Lösung der blutigen Krise mit bisher mehr als 6000 Toten verstreichen lassen. Putin kritisierte die prowestliche Führung des Nachbarlands zudem für eine Wirtschaftsblockade des Unruhegebiets Donbass. Damit trenne Kiew die Region selbst ab. Er wies erneut Vorwürfe zurück, dass die russische Armee in der Ostukraine kämpfe.

Besorgt äußerte sich der Kremlchef über die Vielzahl politischer Verbrechen in der Ukraine. Der Westen sehe über diese Fälle hinweg.

Während der Sendung war die Ermordung des russlandfreundlichen Publizisten Oles Busina in Kiew bekanntgeworden. Der 45-Jährige war ein Gegner der proeuropäischen Proteste auf dem Maidan im vergangenen Jahr. Die Hintergründe der Bluttat waren zunächst unklar.