Racheakt in Mailänder Gericht: Mann tötet drei Menschen

Ein Angeklagter hat in einem Gericht in Mailand drei Menschen erschossen, darunter auch einen Richter und einen Anwalt.

Racheakt in Mailänder Gericht: Mann tötet drei Menschen
Stefano Porta Racheakt in Mailänder Gericht: Mann tötet drei Menschen

Zwei weitere Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer, wie Staatsanwalt Edmondo Bruti Liberati am Donnerstag sagte. Insgesamt habe der Täter 13 Schüsse abgegeben. Der Mann versteckte sich nach der Tat zunächst in dem Justizpalast im Zentrum Mailands, bevor er mit einem Motorrad flüchtete und schließlich von der Polizei etwa zehn Kilometer nordöstlich der Stadt festgenommen wurde. Laut Nachrichtenagentur Ansa erklärte der Mann nach seiner Festnahme, er habe sich an denjenigen rächen wollen, die ihn ruiniert hätten.

Der 57-Jährige war in einem Insolvenzverfahren wegen betrügerischen Bankrotts angeklagt, wie Ansa berichtete. In der Verhandlung soll er eine Waffe gezogen und einen Mitangeklagten und einen Anwalt erschossen haben. Vier bis fünf Schüsse feuerte der Mann in dem Gerichtssaal Zeugenaussagen zufolge ab, ein weiterer Angeklagter wurde verletzt. Der erschossene Anwalt sagte als Zeuge in dem Prozess aus, hatte den Täter aber früher bereits verteidigt.

«Ich habe gesehen, wie Menschen getroffen wurden. Ich habe einen Zeugen vor mir sterben sehen», sagte Staatsanwalt Luigi Orsi der Ansa. Nach dem Schüssen im Gerichtssaal flüchtete der Täter vom dritten in den zweiten Stock des Gebäudes, wo er gezielt das Büro eines Richters der Konkursabteilung aufsuchte und diesen mit zwei Schüssen tötete. Unterwegs verletzte er einen weiteren Mann am Bein. Für ein viertes Todesopfer, von dem zunächst die Rede gewesen war, gab es keine offizielle Bestätigung.

Anschließend verschanzte sich der Täter in dem Justizpalast, in dem die wichtigen Gerichte der norditalienischen Metropole untergebracht sind. Das Gebäude, in dem Hunderte Menschen arbeiten, wurde evakuiert. Einige Richter und Anwälte schlossen sich in den Büros ein, andere versteckten sich Medienberichten zufolge unter ihren Schreibtischen, bis es Entwarnung gab. «Wir haben uns sofort in unserem Gerichtssaal verbarrikadiert, als wir die Schüsse gehört haben», sagte Anwalt Roberto Faletti der Nachrichtenagentur Ansa.

Trotz eines enormen Aufgebots an Sicherheitskräften gelang dem Täter zunächst mit einem Motorrad die Flucht. Etwa eine halbe Stunde später wurde er in Vimercate nordöstlich von Mailand festgenommen, wie Innenminister Angelino Alfano mitteilte. Der Täter sei bereit gewesen, dort weitere Menschen zu töten, wenn die Polizei ihn nicht gestoppt hätte, sagte Alfano. Im System habe es schwere Fehler gegeben, erklärte Justizminister Andrea Orlandio

Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und Metalldetektoren am Eingang des Gerichts umging der Täter wohl mit einem gefälschten Ausweis, wie der Staatsanwalt Edmondo Bruti Liberati erklärte. «Alle Eingänge sind mit einem Metalldetektor gesichert», sagte er am Nachmittag.

Über den Täter war zunächst wenig bekannt, Medienberichten zufolge soll er in enormen finanziellen Schwierigkeiten gesteckt haben. «Er ist jemand, der gedacht hat, alle wollen ihn betrügen, er war paranoid», sagte sein früherer Anwalt Valerio Maraniello der Ansa.

Regierungschef Matteo Renzi sprach den Familien der Opfer sein Mitgefühl aus. «Das Sicherheitssystem in unserem Land kann nicht solche Löcher und Risse haben. Etwas hat nicht funktioniert», sagte Renzi, der Konsequenzen ankündigte. Sicherheitsbedenken für die im Mai beginnende Weltausstellung Expo in Mailand wies er jedoch zurück. Roberto Maroni, Präsident der Region, erklärte: «Es gibt keine Verbindung zwischen der Expo und dieser Lücke im Sicherheitssystem.»