Randale in Bangkok - Regierungsgegner stürmen Ministerien

Mit Massenprotesten und Demonstrationszügen haben Regierungsgegner in Thailands Hauptstadt Bangkok Teile des Regierungsviertels lahm gelegt.

Ein ohrenbetäubendes Trillerpfeifenkonzert hallte am Montag durch die Altstadt. Über Megafon peitschten Redner die Menge immer wieder an. Die Szenen weckten Erinnerungen an die blutigen Proteste 2010, als bei wochenlangen Demonstrationen 92 Menschen ums Leben kamen. Regierungschefin Yingluck Shinawatra erteilte den Sicherheitskräften nach einer Krisensitzung am Abend besondere Befugnisse. Sie können damit in einem größeren Stadtgebiet Demonstrationen einschränken, Kontrollen durchführen und Ausgangssperren verhängen.

Seit Sonntag rufen Demonstranten mit rot-weiß-blauen Kopftüchern und Halsbändern im Bangkok zum Sturz der Regierung und zivilem Ungehorsam auf. Die Regierungsgegner hatten früher in gelben Hemden demonstriert.

In einer Fernsehansprache betonte Regierungschefin Yingluck Shinawatra, die Regierung werde durchgreifen, um die Ordnung wieder herzustellen. Trotz großer Polizeipräsenz stürmten Demonstranten das Gelände des Finanz- und des Außenministeriums.
Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl am Abend auf knapp 30 000.
Die Regierungsgegner wollten ihre Proteste am Dienstag fortsetzen.

Anführer war Polit-Veteran Suthep Thaugsuban (64), bis vor kurzem Abgeordneter der Opposition und davor Vize-Regierungschef. «Brüder und Schwestern, kommt und übernachtet im Ministerium, um unsere Steuergelder zu bewachen», schrieb Suthep auf Facebook. Die Demonstranten werfen der Regierung unter anderem Korruption und Geldverschwendung vor, aber Kern des Konflikts ist die Tatsache, dass die Regierung dem 2006 gestürzten Regierungschef Thaksin Shinawatra
nahe steht. Er ist ein rotes Tuch für die Opposition.

«Yingluck muss weg, wir brauchen eine neue Regierung. Diese Regierung ist nicht vertrauenswürdig», sagte Wilawan Kayathan, eine Demonstrantin, die am Sonntag aus dem Süden nach Bangkok kam. «Dieses Land muss wieder ein Rechtsstaat werden, sonst ist die Gesellschaft schwach», meinte Fabrikarbeiter Anand Pomsuksan, bei einer von der Oppositionspartei «Die Demokraten» getragenen Kundgebung gegen die Regierungspartei Pheu Thai. «Ich mag die Demokraten auch nicht, aber sie sind vertrauenswürdiger als Pheu Thai.»

An dem Ex-Regierungschef und Milliardär Thaksin scheiden sich die Geister. Die Opposition hält ihn für einen Demagogen, der sich die Loyalität der armen Landbevölkerung mit populistischen Maßnahmen sicherte, um staatliche Institution dann nach seinem Geschmack zu biegen, um seinen eigenen wirtschaftlichen Interessen zu dienen. Thaksins Anhänger tragen rote T-Shirts («Rothemden») und kommen überwiegend vom Land.

Thaksin wurde in Abwesenheit wegen Korruption zu zwei Jahren Haft verurteilt. Seine Schwester ist jetzt Regierungschefin. Die Partei macht kein Hehl daraus, dass er die Regierungsgeschäfte dirigiert. Sie arbeitet an Gesetzen, um ihn zu rehabilitieren - zum Zorn der Opposition.

Die Thaksin-Gegner sind Anhänger der alten Ordnung. Eine vor allem in Bangkok mächtige Elite bestimmte vor Thaksin über Jahrzehnte die Geschicke des Landes.

Bei den Protesten wurde ein deutscher Fotograf aus München
nach eigenen Angaben von einer Menschenmenge verprügelt, die ihm vorwarf, zu den «Rothemden» zu gehören. Der 45-Jährige flüchtete
in ein Polizeirevier.