Raubkunst-Zentralregister: Regierung muss eingreifen

Das Zentralregister für Raub- und Beutekunst der Jahre 1933-1945 hat den Umgang der Behörden mit dem Münchner Fund scharf kritisiert und die Bundesregierung zum Eingreifen aufgefordert.

Raubkunst-Zentralregister: Regierung muss eingreifen
Marc Müller Raubkunst-Zentralregister: Regierung muss eingreifen

«Wir wollen so schnell wie möglich eine Liste der Werke in der Sammlung veröffentlicht sehen», sagte Anne Webber von der Commission for Looted Art in Europe mit Sitz in London am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. «Die Regierung hat erklärt, dass sie vor mehreren Monaten über den Fall informiert wurde. Wir würden daher erwarten, dass es ausreichend Möglichkeiten gab zu überlegen, wie man mit diesem Fall auf faire und gerechte Weise umgeht.»

Deutschland müsse die Abmachungen zum Umgang mit Raub- und Beutekunst aus der Nazi-Zeit, die in Washington 1998 verabschiedet wurden, einhalten, und zu seinem Bekenntnis dazu stehen, erklärte Webber. Von den Behörden sei dementsprechend absolute Transparenz gefragt. Neben einer Liste der Werke müssten sämtliche Details zu den Bildern, Fotos davon sowie auch anderes relevantes Dokumentations-Material, das in der Wohnung von Cornelius Gurlitt gefunden worden sei, so schnell wie möglich herausgegeben werden.

Zwar sei man sich der komplexen juristischen Fragen in dem Fall bewusst. Es müsse jedoch ein Verfahren eingerichtet werden, das es «rechtmäßigen Besitzern der Werke» ermögliche, sie schnell zurückzubekommen. Seit Bekanntwerden des Fundes von rund 1400 Werken am vergangenen Sonntag werde das Register, das Anlaufstelle für Familien auf der Suche nach von den Nationalsozialisten geraubter Kunst ist, mit Anfragen nach Informationen überflutet. «Die ganze Welt blickt auf Deutschland und erwartet, dass eine vollständige Dokumentation der Werke und dazu, wem sie gehören könnten, vorgelegt wird.»

Das Material müsse auch deshalb veröffentlicht werden, damit die komplexen Forschungs- und Recherchearbeiten zu dem Fund schneller Ergebnisse bringen könnten. «In anderen Ländern wird die Ansicht vertreten, dass solche Forschung am besten angegangen werden kann, indem man die Aufgaben verteilt und gemeinsam angeht», sagte Webber. Dann könne auch jeder, der etwas über die Bilder wisse, seine Informationen dazu weitergeben.