Razzien und Luftangriffe vor G20-Gipfel in der Türkei

Kurz vor dem G20-Gipfel in der Türkei sind türkische Sicherheitskräfte gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vorgegangen.

Razzien und Luftangriffe vor G20-Gipfel in der Türkei
Bernd von Jutrczenka Razzien und Luftangriffe vor G20-Gipfel in der Türkei

Bei einer Razzia in der südosttürkischen Stadt Gaziantep sprengte sich am Samstagabend ein IS-Verdächtiger in einer Wohnung in die Luft, wie das Büro des Gouverneurs mitteilte. Fünf Polizisten seien dabei verletzt worden. In der Provinz Gaziantep hatten Soldaten nur Stunden zuvor vier mutmaßliche IS-Kämpfer bei einem Schusswechsel getötet.

Der G20-Gipfel begann in Belek bei Antalya, mehr als 600 Kilometer von Gaziantep entfernt. Nach der Anschlagserie von Paris ist der Kampf gegen den Terrorismus dominierendes Thema bei dem bis Montag andauernden Treffen. Der Gipfel findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. 12 000 Sicherheitskräfte schützen die rund 13 000 Teilnehmer. Anadolu berichtete, nach der Terrorserie von Paris seien die Vorkehrungen noch einmal verschärft worden.

Bei Razzien in der Hauptstadt Ankara seien sieben IS-Verdächtige festgenommen worden, meldete Anadolu. Der IS wird von den Behörden unter anderem verantwortlich gemacht für den Anschlag in Ankara im vergangenen Monat, bei dem mehr als 100 Menschen starben.

Anadolu berichtete, die türkische Luftwaffe habe in der Nacht zuvor Angriffe gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK im Nordirak geflogen. 44 Ziele seien angegriffen worden. Erst vor wenigen Tagen hatten PKK-Kämpfer und irakisch-kurdische Peschmerga den strategisch wichtigen Ort Sindschar im Nordirak vom IS zurückerobert. Eine Waffenruhe der PKK in der Türkei kollabierte im Juli. Seitdem geht die Armee wieder verstärkt gegen die PKK vor. Die PKK verübt ihrerseits Anschläge gegen türkische Sicherheitskräfte.

Die PKK-nahe Agentur Firat berichtete, in der südosttürkischen Stadt Cizre sei bei Gefechten zwischen der PKK und Sicherheitskräften ein Mensch getötet worden. Die Regierung verhängte am Samstagabend eine Ausgangssperre über zwei Stadtviertel, die am Nachmittag endete. In der südosttürkischen Stadt Silvan wurde eine Ausgangssperre am Samstag nach zwölf Tagen wieder aufgehoben. Fotos der Nachrichtenagentur DHA aus Silvan zeigten Häuser, die durch Beschuss schwer beschädigt wurden.