Rebensburg im Riesenslalom nur Zehnte

Viktoria Rebensburgs Gesten im Ziel sagten alles. Schulterzucken, fragendes Gestikulieren, dazu ein enttäuschter Blick - mit Platz zehn im letzten Weltcup-Riesentorlauf vor den Weltmeisterschaften war sie nicht zufrieden.

«Der Anspruch ist im Riesenslalom schon ein anderer», bekannte die 25 Jahre alte Alpin-Olympiasiegerin von 2010 in Kühtai in Tirol. «Der Riesenslalom ist meine Lieblingsdisziplin. Es macht mehr Spaß, wenn man vorne dran ist.» Bis zur Spitze und Siegerin Sara Hector aus Schweden fehlten Rebensburg in Österreich 1,09 Sekunden. Anna Fenninger aus Österreich war auf Rang zwei eine Sekunde weg, die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin als Dritte neun Zehntelsekunden.

Simona Hösl fuhr auf Rang 27, die anderen deutschen Starterinnen Veronique Hronek und Marlene Schmotz verpassten das Finale der besten 30 Fahrerinnen. «Das ist und bleibt einfach ein problematisches Thema für uns. Wir haben in der Weltspitze nur die Vicky», sagte Wolfgang Maier, Alpindirektor des Deutschen Skiverbands (DSV). Aber auch seine Topkraft ist in ihrer Paradedisziplin nicht in Topform, Rang sechs vom Saisonauftakt in Sölden bleibt das beste Riesentorlauf-Resultat. «Es ist nicht so gut, wie wir ihr das zutrauen würden», sagte Maier.

Seit dem Wechsel der Skimarke im Sommer sucht Rebensburg nach der optimalen Abstimmung. Im Riesentorlauf fehlt noch über weite Strecken das Zutrauen und das Gefühl ins Material. «Sie hat im Augenblick nicht diese Trittsicherheit, um bei den besten fünf dabei zu sein oder aufs Podium zu fahren», sagte Maier. «Das ändert aber nichts daran, dass ich glaube, dass sie das noch hinbekommen», meinte er auch mit Blick auf Rebensburgs Unterstützer im Servicebereich. «Manchmal dauert es halt ein bisschen.»

Fünf Wochen vor dem Saisonhöhepunkt stimmt das Setup bislang nur in den schnellen Disziplinen. In der Abfahrt von Val d'Isère überraschte Rebensburg am vergangenen Wochenende mit einem starken zweiten Platz. Selbst die Verantwortlichen im DSV hatten nicht damit gerechnet, schon im ersten Winter nach dem Rücktritt von Maria Höfl-Riesch Podiumsergebnisse in der Schussfahrt bejubeln zu dürfen.

Mit Rang zehn, fünf, vier, zwei und einem Ausfall ist die Kreutherin in Super-G und Abfahrt absolut im Soll. «Ich fühle mich wohl auf den langen Ski und freue mich auf die nächsten Speed-Rennen», berichtete Rebensburg nach dem prima Auftritt in Frankreich. Im Riesenslalom dagegen hakt es noch - und bis zur WM gibt es keinen Weltcup mehr, in dem Lösungen aus dem Training im Wettkampf getestet werden könnten. «Natürlich ist das unglücklich und nicht für die Riesenslalomfahrer gemacht, die Planung. Aber damit muss man sich abfinden», sagte Rebensburg, die bei Olympia in Sotschi Bronze geholt hatte.

In Bad Kleinkirchheim, Cortina d'Ampezzo und St. Moritz stehen für sie noch insgesamt je drei Abfahrten und drei Super-G im Weltcup-Kalender. Dazwischen sucht Rebensburg nach einem niederklassigen Wettkampf, um die Probleme zu beheben. «Mal schauen, ob sich ein Riesenslalom-Rennen anderweitig ausgeht», kündigte sie an. «Jetzt heißt es einfach: weiterarbeiten und dranbleiben, dass wir das Setup so hinbekommen, dass es mir passt. Dass ich Gas geben kann und beschleunigen kann, da bin ich momentan limitiert.» Ein wenig Ablenkung will sich die Frontfrau des DSV aber trotzdem gönnen: «Das ein oder andere Glaserl trinken - aufs neue Jahr.»