Rehm bleibt Meister - Grundsatzentscheid zur Inklusion

Paralympics-Sieger Markus Rehm darf sich künftig offiziell mit nichtbehinderten Sportlern messen, deutscher Meister wird der unterschenkelamputierte Weitspringer aber nicht mehr.

Rehm bleibt Meister - Grundsatzentscheid zur Inklusion
Sven Hoppe Rehm bleibt Meister - Grundsatzentscheid zur Inklusion

Wie der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mitteilte, können ab dem 1. Januar 2015 behinderte und nichtbehinderte Sportler gemeinsam starten, werden aber getrennt gewertet. Das DLV-Präsidium beschloss die nationale Bestimmung, um einerseits die Inklusion zu fördern und andererseits Athleten mit und ohne Behinderung Rechtssicherheit zu verschaffen.

Die Regelung 144.3c soll so lange gelten, bis es entweder gelingt, sicherzustellen, dass durch die Nutzung technischer Hilfsmittel keine Vorteile erlangt werden und die Leistungen biomechanisch vergleichbar sind, oder auf der Ebene des Internationalen Sports klare Regelungen zu dieser Problematik erlassen werden.

Derweil wurde Rehm, der Auslöser der zum Teil hitzige Diskussion in den vergangenen Monaten war, nun als deutscher Weitsprung-Meister 2014 bestätigt. Dem Leverkusener wird sein am 26. Juli bei den deutschen Meisterschaften in Ulm errungener Titel nicht aberkannt - obwohl nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden kann, ob Rehm durch seine Prothese am Sprungbein einen Vorteil gegenüber nichtbehinderten Springern hatte.

«Nach Prüfung aller vorliegenden Unterlagen und einigen ausführlichen Expertengesprächen deutet vieles darauf hin, dass die von Ihnen ausgeführten Sprünge nicht vergleichbar sind mit dem Weitsprung anderer Spitzenathleten. In diesem Zusammenhang ist zu verdeutlichen, dass die Internationalen Wettkampfregeln der Leichtathletik auch nicht darauf abzielen, ob ein wie auch immer geartetes Hilfsmittel zunächst einmal einen eventuellen Nachteil eines Athleten ausgleicht, sondern dass es schon dann unzulässig ist, wenn es an irgendeiner Stelle einen Vorteil bietet, den ein Athlet ohne dieses Hilfsmittel nicht hat», teilte Frank O. Hamm, Vizepräsident Wettkampforganisation und Veranstaltungsmanagement, Rehm schriftlich mit.

Die in Ulm durchgeführten Messungen würden stark indizieren, dass ein solcher Vorteil gegeben ist. «Allerdings lässt dieser sich nicht mit absoluter Sicherheit aus den bisherigen Ergebnissen ableiten, und insofern ist in der Frage zu Ihren Gunsten zu entscheiden. Daher werde ich Ihre in Ulm erbrachten Leistungen und damit auch den Titel des Deutschen Meisters nicht aberkennen», hieß es in dem Schreiben.

Rehm hatte als erster Behindertensportler den Titel bei den Nichtbehinderten geholt, als er mit 8,24 Metern vor dem mittlerweile zurückgetretenen Christian Reif (8,20 Meter) gesiegt hatte. Gleichzeitig hatte Rehm die EM-Norm erfüllt, war aber vom DLV nicht nominiert worden, weil biomechanische Messungen gezeigt hätten, dass er durch seine Karbon-Prothese im Vorteil gegenüber nichtbehinderten Springern gewesen sein soll.

Rehm hatte sich in der anschließenden Diskussion immer für eine verbindliche Regelung und biomechanische Messungen ausgesprochen. «Ich möchte Klarheit. Auch wenn sie gegen mich sein kann», hatte er gesagt. «Es geht nicht mehr nur um mich, sondern um die ganze Sache, den ganzen Sport.» Zudem hatte er immer wieder betont, sollte ihm ein Vorteil nachgewiesen werden, den Titel zurückzugeben.

Rehm selbst befürwortet ein differenziertes Herangehen an seine Problematik. «Vielleicht besteht im Absprung ein kleiner Vorteil. Aber das undynamische Anlaufen sowie die Geschwindigkeit, bei der mich die Prothese hindert, ist das andere und ganz klar ein Nachteil», hatte er gesagt.