Reichspogromnacht: Jüdische Institutionen fordern Entschädigung

Zum 75. Jahrestag der sogenannten Reichspogromnacht haben jüdische Organisationen, der Zentralrat der Sinti und Roma und andere gesellschaftliche Gruppen eine Entschädigung der noch lebenden Nazi-Opfer gefordert.

Reichspogromnacht: Jüdische Institutionen fordern Entschädigung
Martin Schutt Reichspogromnacht: Jüdische Institutionen fordern Entschädigung

«Die Bundesrepublik Deutschland hat lange genug auf Zeit gespielt», heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Appell. Der neue Bundestag müsse jetzt die «letzte Chance» nutzen, um allen noch lebenden Opfern zu ihrem Recht zu verhelfen.

An diesem Samstag jährt sich die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 zum 75. Mal. Damals wurden mehr als 1000 Synagogen sowie viele jüdische Geschäfte, Arztpraxen, Betriebe und Wohnhäuser zerstört. Tausende Juden wurden gedemütigt, verhaftet und ermordet. Viele wurden in den Monaten danach in den Tod getrieben, etwa 30 000 in Konzentrationslager verschleppt. Früher wurden die damaligen Ereignisse verharmlosend «Reichskristallnacht» genannt.

Der Appell wurde unter anderem in der «Berliner Zeitung» veröffentlicht. Wörtlich heißt es darin: «Wer vor 68 Jahren befreit wurde und noch am Leben ist, hat die Blütezeit seines Lebens hinter sich. Statt bewegender Reden fordern wir Taten.» Als Beispiel für noch nicht anerkannte Opfergruppen werden ehemalige sowjetische Kriegsgefangene und die Überlebenden der «Euthanasie»-Programme genannt, dem organisierten Mord an behinderten Menschen.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte dazu, die Bundesregierung sei sich der «enormen Verantwortung» bewusst, die aus den Verbrechen von Nazi-Deutschland resultiere. Die Hilfen für Opfer seien über die Jahre hinweg immer wieder aufgestockt worden. Dazu gebe es auch «turnusmäßig Gespräche».