Reife Singer-Songwriter: Hawley, Hansard, Folds

Reif, souverän, zuverlässig: Diese Attribute schreibt man Singer-Songwritern wie Richard Hawley, Glen Hansard und Ben Folds zu. Erfüllen ihre neuen Alben diese Erwartungen?

Reife Singer-Songwriter: Hawley, Hansard, Folds
Reife Singer-Songwriter: Hawley, Hansard, Folds

Für den Briten
trifft das auf jeden Fall zu, und vielleicht übererfüllt er die Erwartungen sogar ein wenig. Denn «Hollow Meadows» (Parlophone) ist wie Malen nach Zahlen für den wunderbaren Bariton-Sänger aus Sheffield. Die elf Lieder stecken stilistisch genau das Terrain des Mannes mit der Elvis-Tolle ab, an das sich der Hawley-Fan im Laufe der Jahre so genussvoll gewöhnt hat.

Also hört man viele äußerst elegante Folk- und Pop-Balladen mit Fifties- und Sixties-Flair, ein paar erdig dahinfließende Midtempo-Songs, auch den einen oder anderen Gitarrenausbruch des Meisters. Textlich sind hier wieder charmante Liebeslieder des warmherzigen Raubeins an seine bessere Hälfte versammelt (Frau Hawley muss ein echter Schatz sein), aber auch einige kluge Betrachtungen des Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen.

Damit kein Missverständnis aufkommt: «Hollow Meadows» ist eine etwas vorhersehbare, aber natürlich wieder ganz großartige Hawley-Platte. Schon der melancholische Opener «I Still Want You», in dem der starke Raucher Hawley etwas heiserer als üblich singt (was dem Lied gut steht), ist großes Gefühlskino. Die seit Jahren bewährte Band des 48-Jährigen untermalt seine formidable Stimme wieder hochkompetent. Und namhafte Gäste wie Martin Simpson am Banjo auf dem herausragenden «Long Time Down» oder Jarvis Cocker (Pulp) auf «Nothing Like A Friend» sind auch dabei.

Nur waren die beiden Hawley-Meisterwerke «Truelove's Gutter» (2009) und «Standing At The Sky's Edge» (2012) eben doch etwas stärker aus dem klassischen Schema des Britpop-Veteranen ausgebrochen - zuerst mit extremer Ruhe und Experimentierfreude, danach mit roher Gitarrenwucht und Wut in den Lyrics. Diesen fantastischen Alben fügt «Hollow Meadows» kaum Neues hinzu, sondern klingt «nur» wie eine Best-of-Scheibe mit lauter neuen Songs. Vielleicht auch wegen dieser kleinen Einschränkung konnte Hawley den Charts-Erfolg des Vorgängers (Platz 3) diesmal nicht ganz wiederholen.

Ein Vokal-Stilist par excellence ist auch der Ire
, der seine Karriere als Straßensänger auf den Straßen von Dublin begann. Was man den reifen Liedern von «Didn't He Ramble» (Anti/Indigo) freilich nicht mehr anhört. Üppig arrangiert mit Bläsern und Streichern, wandelt der 45-Jährige hier auf den Spuren seiner Vorbilder Van Morrison und Leonard Cohen (ohne deren Klasse nun gleich ganz zu erreichen). Ein schönes zweites Solo-Studioalbum ist dem Singer-Songwriter von The Frames und The Swell Season aber allemal geglückt.

Folk und Soul finden schon im Opener «Grace Beneath The Pines», erst recht aber in den gospeligen «Winning Streak» und «Her Mercy» toll zueinander. Später wird's auch mal etwas zu heimelig, und an der Kitschgrenze schrammt Hansard gelegentlich auch nur knapp vorbei (etwa in der irischen Folk-Ballade «McCormack's Wall»). Dennoch lässt man sich - ähnlich wie bei Hawley - gern berühren von der Gefühlstiefe dieser Songs, die von Produzent Thomas Bartlett (The National, Sufjan Stevens) prächtig herausgeputzt wurden. «Ich denke, das sind tiefschürfende Lieder geworden», sagt Glen Hansard über «Didn't He Ramble». Ja, er darf stolz sein auf diese ambitionierte Platte.

Ebenfalls sehr ambitioniert klingt das neue Album des US-amerikanischen Pianisten, Sängers und Songschreibers
. Und leider auch überambitioniert. Denn der 49-Jährige, als Frontmann des schrägen Trios Ben Folds Five und auch solo seit Mitte der 90er Jahre eigentlich für mitreißenden Klavierpop mit Punkrock-Attitüde zuständig, will nun offenbar ein Klassik-Komponist im Stil eines George Gershwin sein. Und das geht auf «So There» (New West/Pias/Rough Trade) gründlich in die Hose.

Vor allem das gut 20-minütige «Concerto For Piano And Orchestra» am Schluss kommt in seinen drei instrumentalen «Movements» nie über Epigonentum hinaus und wirkt arg bemüht in seiner Streberhaftigkeit. Hätten die acht vorgeschalteten Pianopop-Songs echte Ben-Folds-Klasse, könnte man den Ausflug ins Sinfonische noch verschmerzen. Aber selbst diese neuen Lieder sind zumeist schwächer als auf jüngeren Alben wie dem Solowerk «Lonely Avenue» (2010) oder dem starken Band-Comeback «The Sound Of The Life Of The Mind (2012). Zumal die Zugabe eines Kammermusik-Ensemble auch eigentlich interessanten Songs wie dem sentimentalen «Not A Fan» oder «Long Way To Go» jeden Biss nimmt.

So bleibt «The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner» (1999) wohl das unerreichbare Highlight in Folds' Karriere. Dennoch sollte sich dieser verdiente Singer-Songwriter gut überlegen, ob er nun etwas ratlos auf dem prätentiösen Weg in die Neo-Klassik weitergehen will. Damit zurück zur Ausgangsfrage: Im Gegensatz zu Hawley und Hansard hat Folds die Hoffnungen leider nicht so ganz erfüllt.

Konzerte:

Richard Hawley: 23.11. Berlin, Heimathafen Neukölln

Glen Hansard: 7.10. Hamburg, Docks; 8.10. Berlin, Admiralspalast; 10.10. Leipzig, Taebchenthal; 12.10. Köln, Live Music Hall; 13.10. Zürich, Volkshaus