Reisepläne mit Bahn bleiben unsicher

Bahnreisen bleiben auch in den nächsten Tagen ein Glücksspiel. Nach dem vierten Streik der Lokführer in sechs Wochen deutet sich im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn weiterhin keine Entspannung an.

Noch immer gibt es keinen neuen Verhandlungstermin. Der 14-stündige Ausstand ging am frühen Donnerstagmorgen zu Ende. Bis zum Vormittag hatte sich der Zugverkehr bundesweit normalisiert, wie die Bahn mitteilte. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) schwieg zunächst zu weiteren Streiks.

S-Bahnen in den Ballungsräumen wie Regionalverkehr fuhren nach Bahnangaben schon am Morgen wieder im Takt. Mancher Pendler musste sich am frühen Morgen aber noch gedulden, wie die Bahn berichtete. Verspätungen waren der Bahn zufolge über den Tag im Fernverkehr möglich.

Eine Annäherung zwischen Gewerkschaft und Bahn war in dem festgefahrenen Tarifkonflikt nicht in Sicht. Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Geld und zwei Stunden weniger Wochenarbeitszeit. Überstunden sollen begrenzt werden. Die Gewerkschaft drohte, weitere Streiks seien programmiert, wenn die Bahn sich nicht bewege.

Nach zwei Warnstreiks hatten die Lokführer mit dem ersten regulären Streik schon am Dienstagabend vergangener Woche für neun Stunden die Arbeit niedergelegt.

Bahn-Personalchef Ulrich Weber mahnte: «Nur mit ernsthaften Verhandlungen kann der Tarifkonflikt gelöst werden - nicht mit der Brechstange und nicht mit scharfen Worten.» Er sei zu sofortigen Verhandlungen ohne Bedingungen bereit.

GDL-Chef Claus Weselsky argwöhnte, er müsse dabei «die Vertretungsmacht für das Zugpersonal an der Garderobe abgeben». Die Lokführergewerkschaft will auch für Personal wie Zugbegleiter, Bordgastronomen und Disponenten verhandeln.

Der zweite Streik in acht Tagen hat die GDL aus Sicht der Konkurrenzgewerkschaft EVG in dem Tarifkonflikt nicht vorangebracht. Der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kircher, widersprach im Deutschlandfunk der Behauptung der GDL, dass sie bei Zugbegleitern, Bordgastronomen und Lokrangierführer mehr Mitglieder habe.

Nach Gewerkschaftsangaben standen während des 14-stündigen Streiks 85 Prozent der Züge still oder kamen deutlich zu spät. Absolute Zahlen nannte die GDL nicht. Auch die Bahn bezifferte die Auswirkungen nicht bis ins letzte Detail. Sie hatte vor Streikbeginn mit stark ausgedünnten Ersatzfahrplänen für Fern- und Regionalzüge reagiert, die sie nicht ganz durchhalten konnte.

Von den üblichen 1400 Fernzügen innerhalb von 24 Stunden fuhren am Mittwoch noch knapp 400. Im Regional- und Nahverkehr gibt es üblicherweise 23 700 Fahrten. Wie viele es nach dem Ersatzfahrplan sein sollten, konnte eine Sprecherin nicht sagen.

Auch 115 Güterzüge standen nach Bahnangaben am Donnerstagmorgen still. Bislang gebe es keine deutlichen Spuren in den Lieferketten, teilte der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) in Frankfurt mit.