Rekord-CES zeigt Wandel der Technologie-Branche

Die Elektronik-Messe CES in Las Vegas ist mit einem Rekord gestartet. Gemessen an der Ausstellungsfläche sei die diesjährige CES die bisher größte, sagte der Präsident des Messeveranstalters CEA, Gary Shapiro.

Erwartet werden 150 000 Fachbesucher. Die Show macht den rasanten Wandel der Branche deutlich: Das Wachstum werde von Produkten angetrieben, die es vor wenigen Jahren noch nicht gab, betonte Shapiro.

Die Messe, bei der traditionell Fernseher und IT-Geräte im Mittelpunkt standen, deckt immer mehr Bereiche ab. Dieses Jahr nehmen kleine tragbare Internetgeräte, vernetzte Haustechnik und neue Auto-Technologie viel Raum ein. Vor allem aber wachsen verschiedene Bereiche der Technologie-Industrie immer mehr zusammen.

Der Wandel der Branche erwischt auch die Schwergewichte. Unternehmen wie Intel und Sony suchen unter Hochdruck nach neuen Geschäftsfeldern. «Wir sehen eine neue Generation von Konsumenten», sagte Sony-Chef Kazuo Hirai. Diese «Generation Remix» sei mit Technologie aufgewachsen. Sie wolle die Technik verändern können und ihr wie beim Remixen von Musik einen eigenen Stempel aufdrücken.

Das bekommen auch die Autohersteller zu spüren und öffnen sich immer mehr für die Elektronik-Branche, um die neuen Anforderungen der Kunden zu erfüllen. So rüstet Audi seine Autos mit LTE-Datenfunk auf und gibt den Insassen ein großes Touchscreen-Display zur Bedienung. Über den Tablet-artigen Bildschirm mit einer Diagonale von 10 Zoll (25,4 cm) sollen die Infotainment-Anlage und andere Fahrzeug-Funktionen kontrolliert werden, erläuterte Audis Elektronik-Chef Ricky Hudi in Las Vegas. Auch Apps werden mit dem «Smart Display» aufgerufen.

In Las Vegas wurde eine große Allianz mit Google angekündigt, an der Audi neben Honda, Hyundai und der Opel-Mutter General Motors beteiligt ist. Die Partner wollen das dominierende Smartphone-System Android im Auto etablieren. So wird in den Audis zum Beispiel Googles Sprachsuche verfügbar sein.

Audi-Chef Rupert Stadler betonte jedoch, die Rolle von Android beschränke sich im Auto auf Kommunikation und Vernetzung. «Wenn ein PC mal schwach auf der Brust ist, machen Sie einen Neustart. Wenn Sie im Auto unterwegs sind, geht es um Sicherheits-Anforderungen und Produkthaftung, da kann man nicht jeden herumfuhrwerken lassen», sagte er in einem dpa-Interview. Deshalb gebe es klare Vorgaben, dass es keine Eingriffe zum Beispiel in Steuer- oder Bremssysteme geben dürfe.

Audi brachte nach Las Vegas seine Prototypen selbstfahrender Autos mit und ließ sie auch über die berühmte Hotelmeile rollen. Für das viel diskutierte Problem der Verantwortung bei automatisierten Fahrzeugen sieht Stadler eine klare Lösung: «Der Fahrer des Fahrzeugs wird immer in der Haftung sein.» Allerdings müsse die Industrie ihm genug Sicherheit geben, «dass er sagt: Das ist sowas von ausgereift und gut, das mache ich jetzt». Der Audi-Chef rechnet damit, dass viele offene Fragen in zwei bis drei Jahren geklärt sein werden.

Der neue Blackberry-Chef John Chen nutzte die CES, um seine Zuversicht für die Zukunft des angeschlagenen Smartphone-Pioniers zu demonstrieren. «Es wird schwierig, aber wir können es schaffen», sagte Chen am Dienstag. Es werde aber einige Zeit dauern: Chen rechnet, dass Blackberry erst 2016 wieder Gewinn schreiben wird. Er will das Unternehmen mit einem Fokus auf Firmenkunden, günstige Handys für Asien und vernetzte Technik retten. «Ich habe einen Plan», versicherte Chen.

Blackberry hatte in den vergangenen Jahren massiv Marktanteile verloren und konnte auch mit neuen Smartphones bisher nicht mit Googles Android-Plattform und Apples iPhones mithalten.