Renaissance der Biathleten - Staffel auf Platz zwei

Die deutschen Biathleten sind wieder da - nicht nur dank Seriensieger Simon Schempp. Mit dem zweiten Staffel-Podest der Saison setzten die Skijäger in Antholz ihren Höhenflug fort. Champion Schempp stand am Sonntag zum fünften Mal in Serie auf dem Podium.

Auch wenn es für das Silber-Quartett von Sotschi als Zweiter hinter Weltmeister Norwegen nicht zum ersten Weltcup-Sieg seit vier Jahren reichte, war Schlussläufer Schempp nicht traurig: «Es ist einfach der Wahnsinn, was gerade mit mir passiert.» Startläufer Erik Lesser kündigte forsch an: «Wir wollen Staffel-Weltmeister werden.»

Schempp prophezeite: «Jetzt kommen von außen hohe Erwartungen.» Verrückt machen lassen will sich der Baden-Württemberger aber nicht: «Ich glaube, ich kann das ganz gut ausblenden.» Auch Männer-Bundestrainer Mark Kirchner will von den in fünfeinhalb Wochen anstehenden Titelkämpfen in Kontiolahti noch nichts wissen. «Wir haben noch zwei Weltcup-Veranstaltungen, und dann erst kommt die WM. Im Moment freuen wir uns erst einmal, dass es so gut läuft.» Ehe es vom 5. bis 15. März in Finnland um Medaillen geht, stehen noch die Weltcups in Nove Mesto und Oslo an.

Für Schempp sind sie wichtig, denn der 26-Jährige ist nach seinen drei Einzelsiegen im Massenstart von Ruhpolding sowie im Sprint und am Samstag in der Verfolgung von Antholz urplötzlich zum großen Herausforderer von Weltcup-Gesamtsieger Martin Fourcade geworden. Der Uhinger hat nur noch 23 Punkte Rückstand auf den Franzosen, den Dominator der vergangenen drei Jahre.

«Für mich persönlich ist ein Gesamtweltcup-Sieg wesentlich höher einzuschätzen als jede WM-Medaille. Man muss über vier Monate konstant durchkommen, um so etwas zu erreichen. Bei einer WM zählen nur eineinhalb Wochen», sagte Schempp. Der dreimalige Olympiasieger Michael Greis, 2007 der letzte deutsche Gesamtsieger, glaubt: «Simon ist ganz oben in der Weltspitze angekommen und kann alle inklusive Fourcade mächtig unter Druck setzen.»

Ganz so weit sind die deutschen Frauen nach den Rücktritten von Kati Wilhelm, Magdalena Neuner und Andrea Henkel noch nicht. Franziska Hildebrand, als Weltcup-Sechste die bestplatzierte deutsche Skijägerin, verpasste am Samstag den ersten Podestplatz ihrer Karriere nur denkbar knapp. «Das tut weh», sagte die 27-Jährige nach dem um 0,3 Sekunden verlorenen Zielsprint gegen die Finnin Kaisa Mäkäräinen. Als Vierte beim Sieg von Darja Domratschewa zeigte sie, dass die Skijägerinnen weiter die Gunst der Stunde nutzen. «Es fehlen vom letzten Jahr zehn, zwölf Topathletinnen, die den Neuaufbau erleichtern», analysierte Damen-Bundestrainer Gerald Hönig.

Schneller als erwartet wurde der Anschluss hergestellt. Franziska Preuß hatte als Massenstart-Zweite in Ruhpolding den ersten Einzel-Podestplatz geschafft. In Antholz sorgte Laura Dahlmeier als Sprint-Dritte für Jubel. Lediglich die acht Strafrunden in der Verfolgung von Rückkehrerin Miriam Gössner trübten das Bild.

Die Party-Stimmung unter den vielen deutschen Fans in der Südtirol-Arena heizte jedoch vor allem Schempp an. «So etwas kann man nicht vorhersehen und auch nicht planen. Es läuft wie ein Wunder», sagte er. Sein Trainer Andreas Stitzl wollte nach der Verfolgung jedoch «nicht den Simon herausheben, sondern das tolle Mannschaftsergebnis herausstellen». 

Zurecht, denn Lesser war bei dem um 0,1 Sekunden gewonnenen Zielsprint von Schempp gegen den Österreicher Simon Eder Verfolgungs-Sechster geworden. Ex-Weltmeister Arnd Peiffer und sein Staffelkollege Daniel Böhm wurden Zehnter und Zwölfter. Im Nationencup sind die deutschen Männer Zweiter hinter Norwegen.