Rennen um Cameron-Nachfolge: Johnson schmeißt hin

Countdown im Rennen um die Cameron-Nachfolge: Kurz vor Ende der Bewerbungsfrist für die Wahl zum neuen Vorsitzenden der britische Konservativen springen zwar immer mehr Bewerber auf den Zug auf.

Rennen um Cameron-Nachfolge: Johnson schmeißt hin
Andy Rain Rennen um Cameron-Nachfolge: Johnson schmeißt hin

Der ehemalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson hat nun allerdings überraschend angekündigt, sich nicht um die Cameron-Nachfolge zu bewerben.

Zuvor hatte auch Justizminister Michael Gove Überraschend seinen Hut in den Ring geworfen. Gove galt bislang als treuer Unterstützer des ehemaligen Londoner Bürgermeisters Boris Johnson. In einer Erklärung griff er Johnson scharf an. Er glaube nicht, dass Johnson «die Führung übernehmen und das Team für die kommenden Aufgaben aufbauen» könne.

Innenministerin Theresa May kündigte ihre Bewerbung in einem Gastartikel in der Tageszeitung «The Times» an. Der Parteichef soll auch Premierminister werden.

Auch Energieministerin Andrea Leadsom kündigte auf Twitter ihre Kandidatur an. «Lasst uns das Beste aus den Brexit-Möglichkeiten machen», schrieb sie.

Bereits am Mittwoch hatten Arbeitsminister Stephen Crabb und Ex-Verteidigungsminister Liam Fox ihre Bewerbung bekannt gegeben. Erwartet wird auch, dass Gesundheitsminister Jeremy Hunt in das Rennen um den Parteivorsitz einsteigt.

In einer Pressekonferenz bekräftigte May ihre Ambitionen auf das Amt des Premierministers und kündigte langwierige Verhandlungen mit EU über einen Austritt Großbritanniens an. Sie schloss dabei aus, dass Großbritannien die Arbeitnehmerfreizügigkeit als Bedingung für den Zugang zum EU-Binnenmarkt akzeptieren wird. Das hatten Politiker aus Brüssel und den EU-Mitgliedsstaaten gefordert. Dafür gebe es «kein Mandat», sagte May. Auch Neuwahlen in Großbritannien vor dem Ende der laufenden Legislaturperiode schloss May aus.

Am Montag soll die Parlamentsfraktion der Konservativen Partei zwei Kandidaten aus dem Bewerberfeld auswählen. Zunächst hatte sich ein Zweikampf zwischen Theresa May und Boris Johnson abgezeichnet. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov zufolge würde May eine Kampfabstimmung gegen Johnson gewinnen. Demnach würden in einer direkten Abstimmung zwischen Johnson und May 55 Prozent der Tory-Mitglieder für May stimmen. Wie sich die Bewerbung Goves auf die Chancen Boris Johnsons auswirkt, war noch nicht abzusehen.

Bei der Wahl treten nur zwei Kandidaten an. Sie werden zuvor von der Parlamentsfraktion aus einem Bewerberfeld ausgewählt. Anschließend haben die 150 000 Mitglieder der Konservativen Partei das Sagen. Bis spätestens zum 9. September soll ein neuer Parteichef - und damit wohl auch Regierungschef - feststehen.