Report: Angriff auf Istanbuls Atatürk-Airport

Gute Nachrichten sind selten in der Türkei, doch eigentlich hatte es zuletzt Grund für verhaltenen Optimismus gegeben. Nach Monaten der Krise nähern sich Ankara und Moskau wieder an.

Report: Angriff auf Istanbuls Atatürk-Airport
Ihlas News Agency Report: Angriff auf Istanbuls Atatürk-Airport

Mit Israel söhnt sich die Türkei nach jahrelanger Eiszeit aus, das Abkommen dazu wurde am Dienstag erst unterzeichnet. Doch nur Stunden später wird der nächste Alptraum Wirklichkeit: Drei Selbstmordattentäter greifen am späten Dienstagabend den Istanbuler Atatürk-Airport an. Es ist ein Massaker: Dutzende Menschen sterben, über 140 werden verwundet.

Es ist schon der vierte schwere Terrorangriff in Istanbul in diesem Jahr, das gerade einmal zur Hälfte vorüber ist. Die bisherigen Anschläge trafen das historische Zentrum Istanbuls und die berühmteste Einkaufsmeile des Landes - beide gehören zum Pflichtprogramm für ausländische Istanbul-Besucher.

Für diese Taten wurden die TAK - eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK - beziehungsweise die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) verantwortlich gemacht. Nur Stunden nach dem Angriff auf den Atatürk-Flughafen sagt Ministerpräsident Binali Yildirim, erste Hinweise deuteten auch diesmal auf den IS als Urheber hin.

Der Atatürk-Airport ist ein symbolträchtiges Ziel und wirtschaftlich von hoher Bedeutung für die Türkei, die sowieso schon schwer unter dem Rückgang der Touristenzahlen leidet. Der größte Flughafen des Landes fertigt in etwa so viele Passagiere ab wie der Airport in Frankfurt/Main - und wächst viel schneller als die deutsche Konkurrenz. Der Flughafen trägt den stolzen Namen des Staatsgründers und steht für den wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei.

Anders als auf Flughäfen in der EU üblich finden in türkischen Airports Sicherheitskontrollen schon vor dem Eingang ins Terminal statt. So ist das auch im Atatürk-Airport, Gepäck wird vor dem Eingang durchleuchtet, Passagiere müssen durch Metalldetektoren. Das Sicherheitspersonal steht nicht im Ruf, seinen Dienst lax zu verüben - dafür ist die Terrorbedrohung in der Türkei zu hoch.

Aus türkischen Regierungskreisen hieß es, den Angreifern sei es nicht gelungen, die Sicherheitsschleusen am Eingang des Terminals zu passieren. Augenzeugenberichte und Videos in sozialen Medien deuten allerdings darauf hin, dass es Angreifer auch in den Innenbereich schafften.

Der Südafrikaner Paul Roos (77) ist zum Zeitpunkt des Angriffs im Flughafen. Er hat einen Segelurlaub mit seiner Frau Susie (69) in Bodrum verbracht, in der Nacht zu Mittwoch will das Ehepaar zurück nach Kapstadt fliegen. Roos sagt, er und seine Frau seien gerade die Rolltreppe von der Ankunftsebene zur Abflugsebene hochgefahren, um einzuchecken. Dann brach das Chaos aus.

«Wir haben Schüsse gehört und uns in einer Ecke versteckt», sagt Roos. «Meine Frau hat die Hände vors Gesicht gehalten, aber ich habe geschaut, was passiert. Ich habe einen schwarz gekleideten Mann gesehen, der etwa 50 Meter von uns entfernt herumgeschossen hat. Leute kamen uns in Panik entgegen gerannt. Nach kurzer Zeit haben wir zwei Explosionen gehört. Es hat sich so angehört, als kämen sie von unten. Sie waren so stark, dass das ganze Gebäude erschüttert wurde.»

Roos weiß nicht, wie es nun weitergeht. Er und seine Frau sind aus dem Terminal geflohen und sind nun Hunderte Meter entfernt in Sicherheit - die Polizei hat das Gelände weiträumig abgesperrt. Ratlose Reisende sitzen vor der Absperrung auf ihren Koffern. Viele versuchen, Angehörige zu erreichen.

Einer der türkischen Wartenden sagt, er warte auf seine Ehefrau, die im Duty-Free-Geschäft im Flughafen arbeite. Sie habe ihm am Telefon gesagt, Menschen im Flughafen seien vor den Terroristen sogar auf die Landebahn geflohen. Der Flugverkehr wird nach dem Angriff vorübergehend komplett eingestellt. Schon am Mittwoch sollen zwar wieder Flüge vom Atatürk-Airport aus in die Welt abheben. Der Flughafen mag dann schrittweise in die Normalität zurückfinden. Doch bis der Türkei als Nation das gelingt, wird viel mehr Zeit nötig sein.