Report: Familie Obama in Berlin

Zwei Mädchen gucken neugierig durch einen Schlitz in der Mauer auf den ehemaligen Todesstreifen. Die beiden Obama-Töchter Malia (14) und Sasha (12), beide mit Sonnenbrillen, absolvieren in der brütenden Berliner Hitze einen Crashkurs in Geschichte.

Report: Familie Obama in Berlin
Bernd von Jutrczenka

Zusammen mit ihrer Mutter Michelle haben sie rote und gelbe Rosen in die Hinterlandmauer an der Bernauer Straße gesteckt, wo sich früher dramatische Szenen zwischen Ost und West abspielten. Es ist ein stiller, andächtiger Moment.

Auch Auma Obama, die ältere Halbschwester des US-Präsidenten, ist dabei. Der Herr in Schlips und Kragen ist der Chemie-Professor Joachim Sauer, der Ehemann der Kanzlerin. Er hat am Mittwoch beim Besuch von Barack Obama einen seiner eher raren Auftritte als First Husband, im «Partnerprogramm», das früher mal «Damenprogramm» hieß. Morgens das Holocaust-Mahnmal, dann eine Mauer-Installation am Checkpoint Charlie und die Mauer-Gedenkstätte: «Berlin in drei Stunden» könnte der Titel des Programms am Morgen lauten.

An der Mauer-Gedenkstätte warten mittags Fotografen und Sicherheitsleute, die nicht nur im Kino schwarze Anzüge und Pilotenbrillen tragen. Familie Obama trifft ein und schaut sich auf der Aussichtsplattform um. Gedenkstättenleiter Axel Klausmeier erklärt ihnen die Mauer und erzählt, welche Folgen sie im Alltag für die Familien hatte. «Das hat auch die Kinder bewegt», sagt Klausmeier hinterher. Die First Lady sei sehr interessiert und natürlich gewesen. «Nach einer Minute war das Eis gebrochen.»

Angela Merkels Ehemann kennt die amerikanische First Lady bereits, beim Nato-Gipfel 2009 besichtigten sie mit Carla Bruni-Sarkozy das Straßburger Münster. In Berlin schenkt Sauer den Obamas eine Ausgabe des Magazins «National Geographic» aus den 80er Jahren, passend zu den Stationen der Tour. Der 64-Jährige wirkt locker, wie jemand, der Verwandten mal die Mauer zeigt.

Was die mittlerweile recht hochgewachsenen Obama-Töchter bis zur Abreise am Abend unternehmen und ob sie nach der sehr geballten Dosis Geschichte in der Sommerhitze entspannen dürfen, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Nicht nur die Schritte des Präsidenten, auch die der Familie sind streng abgeschirmt. Sie wohnen im Luxushotel Ritz-Carlton am Potsdamer Platz. Kinos, Restaurants und Läden liegen vor der Haustür. Von ihrer Tour durch die Stadt sehen nur wenige Berliner etwas.

Die Rede am Brandenburger Tor darf die Familie sausen lassen. «Sie haben vielleicht festgestellt, dass sie nicht hier bei mir sind», sagt Barack Obama über seine drei Damen. «Denn das letzte, was sie wollen, ist eine weitere Rede von mir anhören. Deswegen haben sie sich alleine auf den Weg gemacht, um die Schönheit und Geschichte Berlins zu erforschen.»

Wie überall in der Welt richten sich schon mit der Landung der Air Force One viele Augen auf Michelle Obama. Die 49-Jährige wird oft mit Jackie Kennedy verglichen. Zur Ankunft in Tegel erscheint sie am Dienstagabend in schwarzer Hose mit Nietengürtel. Für das Sightseeing wählt sie sportlichere Hosen und ein schwarz-weißes Top, das ihre berühmten, durch Fitnesstraining gestählten Oberarme zeigt.

Aber Michelle Obama wird in Berlin weniger als Fashion Queen, sondern eher als Gesprächspartnerin in Erinnerung bleiben. Gedenkstätten-Leiter Klausmeier schwärmt, wie natürlich und unprätentiös sie sei. «Wir haben ganz normal miteinander geredet.»

Auch Künstler Yadegar Asisi freut sich über den Besuch der Präsidentenfamilie bei seinem Panorama am Checkpoint Charlie. «Das war schon eine Ehre, fast ein kleiner Ritterschlag», sagt Asisi, dessen Kunstwerk einen Eindruck der Mauer vermittelt. Während die größere Tochter Malia viele Fragen gestellt habe, sei Sasha lange ruhig und nachdenklich gewesen. «Dann hat sie gesagt: "It is very sad" - aus tiefstem Herzen.»