Report: Pegida hat in Dresden erneut Zulauf    

Leipzig und Dresden trennen am Montag Welten. Bei seinem ersten Protest bringt das islamkritische Legida-Bündnis in Leipzig 2000 bis 3000 Teilnehmer auf die Straße - die Gegendemonstranten sind zehnmal so viele.

Report: Pegida hat in Dresden erneut Zulauf    
Arno Burgi Report: Pegida hat in Dresden erneut Zulauf    

In Dresden kommen nach Polizeiangaben etwa 25 000 Anhänger zu Pegida, den selbsternannten «Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes». Sachsens Landeshauptstadt gibt damit bei den inzwischen bundesweit organisierten Protesten gegen eine angebliche Überfremdung in Deutschland weiter den Ton an.

Pegida hat am Montag seine Anhänger dazu aufgerufen, mit einem Trauerflor für die Opfer islamistischer Terroristen in Frankreich zu erscheinen. Ein Holzschild mit den Worten «Je suis Charlie» (Ich bin Charlie) und dem Zeichenstift in der Faust ist von LED-Lämpchen umringt. «Ich will mein Mitgefühl ausdrücken», sagt ein 19-Jähriger aus Pirna, der mit seiner Familie nach Dresden gekommen ist. Das Schild habe er am Nachmittag gebastelt. Erst danach habe er erfahren, dass die Karikaturisten in Frankreich sein Mitgefühl gar nicht wollen: «Das ist mir egal», sagt er. «Es geht mir einfach darum, zu zeigen, dass wir solidarisch sind.»

An vielen Deutschland-Fahnen weht ein schwarzes Band. Nach verbalen Entgleisungen von Rednern im Dezember sind die Organisatoren nun hörbar um moderate Töne bemüht. Am Montag ergreifen nur Vereinschef Lutz Bachmann und Pegida-Mitbegründerin Kathrin Oertel das Wort. Der von den Organisatoren gewünschte Verzicht auf Sprechchöre klappt am Ende freilich nicht. Immer wieder skandieren die Pegida-Anhänger «Wir sind das Volk», als sie durch Dresden laufen.

Politikwissenschaftler Werner Patzelt geht davon aus, dass die Attentate in Frankreich der Bewegung in Dresden weiteren Zulauf beschert haben. «Das, was Pegida befürchtet, ist in Frankreich eingetreten», sagt der Professor.

Krankenpfleger Peter Metzner steht an diesem Abend in Leipzig bei Legida («Leipzig gegen die Islamisierung des Abendlandes»): «Es muss gestattet sein, dass man frei reden darf und es keine Verunglimpfungen gibt. Es hat keiner was gegen Kriegsflüchtlinge», meint der 35-Jährige. Aber gebraucht werde eine geregelte Einwanderung. Ingo Bever stärkt zeitgleich auf der Gegenseite die Reihen von «Nolegida». «Wir sind Charlie. Wir sind nicht Legida», sagt Bever. Es finde es wichtig zu zeigen, das Religion nicht gleich Extremismus ist. Die Muslime dürften nach den Anschlägen von Paris nicht leiden. Außerdem stehe er für Meinungsvielfalt ein.

Warum es bei Pegida und ihren Ablegern in mehreren deutschen Städten eine solch unterschiedliche Entwicklung gibt, dürfte Kommentatoren und Sozialwissenschaftler in den kommenden Tagen beschäftigen. Während beispielsweise in Berlin am Montag der Demonstrationszug wegen Straßenblockaden wieder an den Ausgangspunkt zurückkehren muss, kann die Bewegung in Dresden auf prominenter Route marschieren - mitten durch die Innenstadt. Insgesamt zeigen in Dresden an diesem Montag etwa 7000 Gegendemonstranten Flagge - deutlich weniger als noch am Samstag, als sich 35 000 Bürger vor der Frauenkirche versammelten.

Dennoch ist der Protest an der Elbe stetig und fantasievoll. Mit Warnwesten, Besen oder Wischmopp laden Bands zum Kehraus auf dem Postplatz ein. «Reinigen wir ihn symbolisch von fremdenfeindlichen und ausgrenzenden Ressentiments», rufen die Künstler und das Bündnis «Dresden für alle» zum Mitmachen auf. «Wir distanzieren uns entschieden von fremdenfeindlicher Demagogie, wie wir sie in dieser Stadt erleben müssen», sagt Schauspieler Ben Daniel Jöhnk, begleitet vom Trommelwirbel der Banda Communale.