Report: Sieben tote Babys - was geschah hinter der Fassade?

Die Vorhänge und Rollläden sind geschlossen. Aber im obersten Stockwerk an den Fenstern hängen Kinderbilder. Selbst gebastelt. Doch was ein Notarzt und die Polizei hinter der Fassade des schmucklosen, aber gepflegten Hauses in der oberfränkischen Kleinstadt Wallenfels entdeckt haben, nimmt einem den Atem: Mindestens sieben Babyleichen lagen in dem Haus. Es dürfte sich um einen der schlimmsten Fälle in Deutschland handeln.

Report: Sieben tote Babys - was geschah hinter der Fassade?
News5 / Fricke Report: Sieben tote Babys - was geschah hinter der Fassade?

Es ist ein kühler und nebliger Herbstmorgen in dem 2800-Seelen-Ort mitten im Frankenwald. Das Städtchen ist ein Erholungsort, man kann im Sommer Floßfahrten auf der Rodach buchen.

Dass Polizei und Rechtsmediziner in der Nacht zuvor hier einen Großeinsatz mit grausigen Funden hatten, fällt auf den ersten Blick gar nicht auf. Nur ein Kleinbus der Polizei parkt an der Hauptstraße. Und nach und nach rücken Reporter und Kamerateams an. Auch die Anwohner wissen zunächst wenig. Die Familie, die in dem Haus gelebt habe, sei nett und anständig gewesen, sagt eine ältere Frau, die zwei Häuser weiter lebt. «Wir sind so geschockt», sagt sie noch.

Wie viele Babyleichen am Donnerstag in dem Haus gefunden wurden, ist am Freitagvormittag zunächst unklar, die Polizei hält sich bedeckt. Erst gegen Mittag kommt dann die Mitteilung, die dem Fall noch einmal eine neue Dimension verleiht - sieben tote Säuglinge würden derzeit in der Rechtsmedizin Erlangen obduziert. Möglicherweise seien es sogar noch mehr. Wann die Babys starben und warum - das muss noch geklärt werden.

Noch weiß niemand genau, was in dem Haus mitten in Wallenfels geschah. Die Polizei sucht nach einer 45 Jahre alten Frau, die bis vor kurzem in dem Anwesen lebte. Medien spekulieren über das familiäre Umfeld, die Wallenfelser halten sich jedoch bedeckt. «Mir fehlen die Worte», sagt ein Mann, der am Haus vorbeiläuft.

Bürgermeister Jens Korn (CSU) ringt um Fassung. Eine heile Welt habe man doch eigentlich im Ort, sagt er. «Solche Themen kannten wir nur aus dem Fernseher.» In Wallenfels sei die Ortsgemeinschaft intakt. Viele Bürger beschäftige deshalb die Frage, ob man diese Tragödie verhindern hätte können - etwa mit Hilfsangeboten. «Es herrscht Trauer in unserer Stadt um die Kinder, die nicht leben durften.»